DBB-Präsi Ingo Weiss ist plötzlich für eine (Feld-)Quote

Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern, das scheint sich DBB-Präsident Ingo Weiss gedacht zu haben, als er nach Jaglas Generalabrechnung mit der Liga um Stellungnahmen gebeten wurde.

Es ist eine dpa-Meldung über die ich in der Welzheimer Zeitung gestolpert bin:

Der Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB), Ingo Weiss, hat ganz klare Vorstellungen, wie sich das Problem lösen lässt – indem man die Regularien dahingehend ändert, dass ein Deutscher in der Bundesliga immer auf dem Feld stehen muss. Bislang ist das nur in der Zweiten (zwei Deutsche) und Dritten Liga (drei Deutsche) der Fall. «Wenn wir jetzt dahin kommen, dass in der ersten Liga ein Deutscher immer spielen muss, hätten wir eine ganz klare Struktur, die man auch gut nach außen transportieren könnte», sagte Weiss in Danzig der dpa.

Klar Herr Weiss, Sie sind, jetzt wo es hip ist, der größte Quotenfreund schlechthin. Was wollen sie uns da weismachen? Vor ein paar Monaten klang das aber noch ganz erheblich anders bei Ihnen.

Und nicht vergessen: Der Deutsche Basketballbund ist auch Gesellschafter der Basketball Bundesliga und hat da ein erhebliches Wörtchen mitzureden. Das Interview oben gab’s übrigens bei der Verlängerung des Grundlagenvertrages zwischen DBB und BBL. Da hätte man ja mal ne starke Position vertreten können. Haben sie aber nicht, sondern den Status Quo bravourös gerechtfertigt.

Aber was lästere ich. Ich freu mich ja, dass plötzlich – auch dank Jans lauter Kritik – ein Umdenken stattfindet.

Heute in der Presse dazu:

Tagesspiegel: Ohrfeige für die Liga

Die Europameisterschaft in Polen zeigt, dass wahrscheinlich alles ganz anders ist, als die Basketball-Bundesliga in den letzten Jahren erzählt hat. Der deutsche Basketball-Nachwuchs hat seine Qualitäten. Er hat nur nie eine Chance bekommen.

Benedikt Voigt versachlicht die Debatte. Das ist gut. Er springt wie gestern schon etliche auf Twitter der Position von Jan Jagla bei. Schön, dass die Medien es nicht nur reißerisch aufgreifen, sondern Jan den Anstoß für eine neue Debatte gegeben hat.

Süddeutsche: Hitchcock im Hinterhof

„Die BBL ist am Zug“, findet auch Harnisch, „und alle Argumente gegen die Quote haben mich bisher nicht überzeugt.“ Die Liga habe ja durchaus etwas getan, „für den Unterbau“, die Nachwuchs-Liga NBBL und die neue JBBL für die Jugend. „Doch wenn die Erstliga-Teams oben nicht mitziehen, fehlt die sportliche Logik“, meint Harnisch. … Harnisch sagt: „Schafft einfach Waffengleichheit in der Liga – und ich weiß nicht mal, ob wir mit mehr Deutschen in Europa schlechter aussehen würden.“

Nur Mut! Es muss ja nicht gleich ne Feldquote sein. Aber dass 4 von 12 nicht das Ende der Fahnenstange sein darf, sollte allen klar sein.

Keine guten Tage für Quotengegner. Sie schweigen irgendwie. Nur nicht Stellung beziehen und zu seiner Meinung stehen, dass nur eine Liga ohne Quote einen spannenden Wettbewerb ermöglicht. Den Vogel des Tages schoss aber der BBL-Präsident Braumann ab:

„den Erfolg könne man „ja auch im Umkehrschluss so bewerten: Es geht doch auch so!“

Klar, weil in ProA und ProB gute Arbeit gemacht wird und da noch eine Hand voll gegenwärtig vereinsloser Leistungsträger aus der Olympiamannschaft rumlaufen. Aber wie würde es wohl sein, wenn auch die BBL-Clubs mit an dem Strang ziehen würden. Man sieht doch Benzing, Harris und Co. bei allem Talent an, dass ihnen eines fehlt: Erfahrung auf europäischen Parkett, gegen starke Gegner.

Ich spar mir die Wiederholung meiner Position zur Quotendebatte und verweise auf die gesammelten Postings. Mein persönliches Kernanliegen ist es, die Quote aber von der Nationalität zu lösen und auf „home grown players“ zu setzen.

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3 Gedanken zu „DBB-Präsi Ingo Weiss ist plötzlich für eine (Feld-)Quote

  1. So wirklich versachlichen tut Voigt die Diskussion nicht. Man muß sich die Mannschaft nur mal genauer angucken, um zu sehen, dass es allesamt keine Spieler sind, die a la Zwiener keine 5 Minuten BBL-Zeit pro Spiel bekommen.

    Mal die Mannschaft durchgehen:

    Staiger: In College-Ausbildung
    Schaffartzik: Durch.BBL-Spielzeit 08/09 33:37 Min
    Schultze: in 1. Liga Griechenland, aber sowieso kein junger Spieler mehr
    Ohlbrecht: Durch. BBL-Spielzeit 08/09 11:46 Min Zusätzlich ist Ohlbrecht auch umstritten, da er manche Erwartungen nicht durch Leistungen erfüllt. Also genau das was befürchtet wird. Er wurde zumindest im Bamberger Team nicht durch mehr Spielzeit besser.
    Wysocki: Durch.BBL-Spielzeit 08/09 20:19 Min
    Hamann: Durch.BBL-Spielzeit 08/09 17:27 Min
    Greene: Durch.BBL-Spielzeit 08/09 27:56 Min
    Pleiß: Durch.BBL-Spielzeit 08/09 11:58 Min, spielt allerdings auch im EM-Team aktuell keine große Rolle
    Harris: ProB, zukünftig in College-Ausbildung
    Femerling: braucht man nicht zu diskutieren
    Benzing: starke Rolle in der ProA, zukünftig BBL
    Jagla: ACB Spanien, aktuell aber vereinslos und mit dem kolportiertem Gehalt bei kaum einem BBL-Club finanzierbar.

    Für mich ist da kein einziger Spieler dabei, der bisher von der BBL groß verschmäht wurde. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall, Bauermann hat ja sogar gerade die im Vorfeld der EM aussortiert, die eher selten spielen (z.B. Zwiener). Daher ist das keine Versachlichung weil es schlicht Fakten verdreht.

    Das ganze ändert natürlich nichts daran, dass zum einen Weiss Unsinn redet und auch daran, dass die EM-Ergebnisse gute Resultate sind. Sind sind primär auch deswegen erstaunlich, weil ein Großteil der Spieler eben einfach jung sind. Dass manche keine BBL-Erfahrung haben liegt kaum an der BBL, sondern an dem Ausbildungsweg, den die meisten einschlagen. Und da muß man auch mal ernsthaft fragen: Soll ein BBL-Club wirklich auf einen 20-Jährigen setzen, der im Grunde noch in der Ausbildung ist? Was hätte Harris z.B. ein BBL-Club gebracht? Selbst mit Spielfeldquoten hätte er allenfalls bei potentiellen Absteigern größere Spielanteile. Aber gerade Harris College-Entscheidung zeigt vielmehr das Hauptproblem. Es fehlt eine adäquate Ausbildung gerade für 18-22 Jährige. Und bevor af4e wieder kommt: Es gibt auch bei Quotenbefürwortern kaum ein Konzept, dass die massive Steigerung der Förderungsmöglichkeiten für junge Spieler vorsieht.

  2. Pingback: Jan-Hendrik Jagla wechselt zu Asseco Prokom Gdynia « Grübelei – Ansichten eines Basketballfans

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