ALBA Berlin Saisonvorschau – Teil 1

Am Dienstag geht es los bei ALBA Berlin. Die Euroleague-Qualifikation beginnt mit einem Auswärtsspiel bei Le Mans Sarthe Basket. Es ist Zeit, nun auch die Albatrosse unter die Lupe zu nehmen.

Alles wie immer?

Eine neue Saison für die Albatrosse, neue alte Ziele. In der Liga brauchen wir dies nicht zu diskutieren. ALBA will Meister werden. Jüngst haben Baldi und Schweitzer dies wieder laut verkündet. Allzu häufig in Folge darf dieser ambitionierte Club das Ziel nicht verpassen. Das „Bayern München“ des Basketballs unterliegt hier einer ähnlichen Gesetzmäßigkeit wie die Fußballer. Aber diese Saison ist es ein wenig anders und dringender. Letzte Saison nicht Meister geworden zu sein, das war bei dem besten BBL-Kader aller Zeiten, wie ihn doch einige nannten, schon ein mittelgroßes Desaster. Es wurde nur dadurch aufgefangen, dass ALBA an einem anderen Ort „overperformed“ hatte. Top 16 der Euroleaugue, das war eine Hausnummer und eine Ansage in Richtung Europa.

Diese Saison muss das erste Saisonziel schon vor Beginn der Hauptrunde der Liga in Angriff genommen werden. Wir wollen wieder in die Euroleague. Wir, das sind immer auch auch die Fans. Wir haben Blut geleckt. Wir wollen Barcelona, Lietuvos Rytas, Partizan und wie sie alle heißen live sehen. Das ist der Basketball, der in Berlin die Massen begeistert. Selbst unter der Woche ist da die Halle voll. Der höchste Zuschauerschnitt in Europa kommt nicht von ungefähr. Und wir Fans wissen, dass unser Coach Pavicevic – so sehr wir seine Art auch selbst kritisieren und ihn für die Banksaison von Herber und Zwiener verfluchen – ein Trainer ist, der Mannschaften baut, mit denen wir in Europa mithalten können.

Ja, der gemeine ALBA-Fan ist arrogant, wenn es denn Arroganz ist, wenn man in der Liga vor allem auf die großen Spiele, die Duelle mit den Erzfeinden Bonn, Bamberg, Oldenburg und den Freunden aus dem Artland hinfiebert, statt auch Tübingen, Braunschweig und Bremerhaven mit der gleichen Leidenschaft zu würdigen.

Die Saison fängt in Berlin mit den Playoffs an. Vorher ist Pflichtprogramm, Vorspiel. Das, was sein muss, damit wir guten europäischen Basketball zu sehen bekommen.

Die ganze Offseason steht unter diesem Stern. Nicht die Frage, ob man mit dem Kader die Playoffs erreicht, sondern ob man um die Meisterschaft mitspielt und in Europa zumindest ein wenig Respekt erntet, ist der Maßstab, mit dem jeder Transfer gründlich hinterfragt wird. Doch Transfers gab es in dieser Offseason wenige. Kontinuität und waiting for Mr. Right war die Devise.

Ist es denn ein Kader, der für das Erreichen der Ziele in der nächsten Saison taugt? Testspiele werden gemeinhin als „Muster ohne Wert“ abgestempelt. Gilt das auch, wenn der erste Saisonhöhepunkt Ende September ansteht? Schauen wir es uns im Detail an. Ein Sieg gegen die schon spöttisch als Sparliners bezeichneten Deutsche Bank Skyliners, da wird man nicht viel hineininterpretieren können. Braunschweig – ohne zwei – wurde souverän geschlagen. Die Videos sahen schön aus und machten Lust auf mehr.

Allerdings kam dann das Turnier in Nymburk. Und da waren Licht und Schatten ganz nahe beieinander. Erst gab es einen deutlichen Sieg gegen Lietuvos Rytas, ein fast vollständiges Euroleagueteam. Doch das Finale gegen CEZ Nymburk war – trotz der im Ergebnis nur knappen Niederlage – auch viel zu sehen, was bedenklich an die vergangenen Playoffs erinnerte. Offensiv hing zu viel von der Form einen Jenkins ab. Ein wenig Ganzfeldpresse des Gegners und hier und da klug das Pick’n Roll zu stören, das reichte, um ALBA komplett aus dem Konzept zu bringen.

Wir loben die Kontinuität der Mannschaft. Aber ist damit nicht auch eine Kontinuität der Schwächen vorgezeichnet? Fehlt ALBA diese Saison das „Extra“ um aus einer guten, aber in der Liga letztlich nicht erfolgreichen Mannschaft eine noch bessere zu machen, die sich am Ende nicht die Butter vom Brot nehmen lässt?

Die Mannschaft im Detail

Die Aufbauposition

Es bleibt wie es war und dann doch nicht. Nationalspieler Steffen Hamann (5,5p, 1,5a, 17mpg), der gerade eine weniger starke EM spielte, hat noch zwei Jahre Vertrag. Bei Rashad Wright (7,9p, 3,1r, 2,4a, Highlights) wurde der Vertrag verlängert. Beide Spieler sind bei den Fans – nicht nur in Berlin – stark umstritten. Hamann, weil ihm zum kompletten Paket ein konstanter Wurf fehlt (30 % 3er). Wright, weil er letzte Saison immer mal wieder Plays lief, die zu kollektivem Haareraufen auf der Tribüne führten. Objektiv waren es nur 1,5 TOs. Wird es diese Saison anders? Wright hat die Vorbereitung mitgemacht und fiel dort immer wieder durch eine hohe Punkteausbeute auf. Mit Badioli ist ein Co-Trainer gekommen, unter dem er in Oostende seine bislang beste Saison spielte. Die Rollen dürften sich hier tauschen: Wright wird nun wohl auch starten und muss und wird offensiv mehr Verantwortung übernehmen. Hamann von der Bank? Hatte er diese Rolle schon mal in der BBL? Auf dieser Position hat sich zur Enttäuschung mancher wenig geändert. Zulegen müssen hier die beiden Spieler auf der individuellen Ebene. Wieder werden wir einen von der Nationalmannschaft müden Steffen Hamann bekommen. Bei der EM zeigte er Licht und Schatten. Gerne auch in einem Spiel.

Beide werden Lukas Systeme sklavisch umsetzen. Beide sind defensiv sehr stark. Aber viel wird davon abhängen, dass zumindest einer der beiden offensiv eine annehmbare Form findet.

Im Hintergrund auf der Bank lauert PG/SG Oskar Faßler. „Ossie“ ist waschechter Berliner. Das, was wir von ihm in der Vorbereitung sehen durften, war gut. Definitiv ein Eigengewächs, das zumindest in der Liga locker mal für 10 Minuten gut wäre. Ob das in Pavicevics Rotation der Fall sein wird, darf – ohne Verletzungen – getrost bezweifelt werden. Aber der Kader ist kurz und Oskar Nr. 10 im Team.

Fortsetzung folgt.

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Ein Gedanke zu „ALBA Berlin Saisonvorschau – Teil 1

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