Too big, yo! oder „The road ends here“

Das erste was die Teams sehen, wenn sie heute Abend (03:21 Uhr unserer Zeit/watch here for free!) aus ihren Kabinen in das riesige Lucas Oil Stadium vor 72.000 Zuschauern einlaufen ist das wohnblockgroße, dunkelblaue Banner an der anderen  Seite der Halle. „The road ends here“ verkündet es dramatsich, ein wenig martialisch und dabei doch absolut auf den Punkt gebracht.

Alles kumuliert heute Nacht im Spiel der Spiele und „die Straße endet hier“ ist nicht nur bildlich, sondern durchaus wörtlich zu verstehen. Von links hat sich Butler mit Monsterwadenbeisserdefense durch das Bracketlabyrinth vorgekämpft bis ins Finale (unter anderem gegen #1 Syracuse),

aus der rechten Brackethälfte kam das strukturierte, dreierregnende, körperlich überlegene, ausgeglichene Duke (hier gegen #3 Baylor):

Das Endspiel findet heute in Indianapolis statt. Butler, das Cinderellateam spielt seine normalen Spiele nur ein paar Meilen entfernt auf dem Campus im altehrwürdigen Hinkle Fieldhouse, da ist es nahezu unvermeidlich, dass „Hoosiers“-Vergleiche  aufkommen. Wäre das heute ein Hollywoodfilm würde es ganz genauso im Skript stehen (und wir uns ob der sentimentalen Schmonzette an den Kopf greifen), aber auch der Film beruht ja auf einer echten Story.

Die für US-Verhältnisse winzig kleine Uni, deren starting Center (Matt Howard #54) mir erstens verzeihen möge, aber zweitens aussieht, als hätte er gerade daheim mit seinen Eltern auf der Farm noch Heu gemacht. Der babyfaced Coach, Brad Stevens, der als ehrenamtlicher Helfer bei Butler anfing, nachdem er seinen Job in der Finanzabteilung bei Eli Lilly geschmissen hatte und von seinen Spielern nur durch den Anzug unterschieden werden kann. Der bescheidene Starspieler, Gordon Hayward (#20), der – kaum zu glauben aber wahr – als Junge an derselben Highschool wie Mark Titus spielte und furchtbar klein war. So klein und dünn (1,78 und 68kg), dass er lieber Tennis spielte, weil er sich selbst keine Chance im Profibasketball gab und ihn anfangs kein großes College haben wollte. Seine Transformation zu einem Collegestar und nun plötzlichen hohen NBA-Draft-Pick, ist genauso unwahrscheinlich und „mind-boggling“ wie sein Wachstumsschub auf nun 2,06 m und der ganze Trip von Butler durch das NCAA-Turnier. Und ganz Amerika will nun den underdog siegen sehen, das Gefühl, das sich ausbreitet, ist das der legendären Rede des Coaches Norman Dale (Gene Hackman) aus „Hoosiers“ an sein Team.

Lets win this for all the small schools that never had the chance to get here.

Mittlerweile ein Standardsatz aus dem alltäglichen Sprachgebrauch und ein uramerikanischer Traum, der vielleicht heute Nacht einmal mehr Wirklichkeit wird.

Das übermächtige Duke (Basketball-Budget ca. 14 Millionen US$) mit seinen gleich 6 Mc-Donalds-All-Americans gegen das kleine Butler (Budget: 1,7 Mio) mit keinem Auswahlspieler in ihren Reihen. Der Über-Coach Mike Krzyzewski (Coach K), Jahresverdienst bei Duke knappe 4 Millionen$ (!), gleichzeitig Coach des US-Nationalteams, ein Hall-of-Famer und seit 1981 Trainer und Institution bei Duke – gegen den selfmade Generation-Praktikum Trainer Brad Stevens. Zweitjüngster Coach jemals in einem Endspiel. Die Prestigeliga „ACC“ gegen die belächelte „Horizon League“. Massenweise Absolventen wie die NBA-Spieler Shane Battier, Elton Brand, Carlos Boozer, Corey Maggette und Grant Hill gegen Pete Campell (Ex-Düsseldorf Giants, jetzt BBC Bayreuth/Glückwunsch zum Aufstieg!), der so ungefähr alles ist, was ich an sportlich illustren Ehemaligen von Butler ausmachen konnte.

Spiel der Spiele heute Nacht: Butler vs. Duke

Spiel der Spiele heute Nacht: Butler vs. Duke

Eben einfach David gegen Goliath. Die Klischees und stereotypen Vergleiche sind einfach unvermeidbar, weil geradezu absurd zutreffend, und die Rollen sind klar verteilt, ob die Bulldogs und die Blue Devils das nun mögen oder nicht. Es gibt kein Entkommen, Steinschleudern raus, Aschenputtelschuhe an – The road ends here!

Bei einem weiteren Butlerspieler muß ich mich vorab entschuldigen, ein wenig ein schlechtes Gewissen hab ich auch, denn er ist einer meiner absoluten Lieblingsspieler des ganzen Turniers, sorry Gordon Hayward. Aber nach 3 Wochen unglaublicher Bulldogmadness is „crazy“ eben the „new sane“ und er wird mir verzeihen, vor allem als NCAA-Champ ;-).

In den heutigen Zeiten werden Jugendsünden schnell bestraft und ein gruselig rappendes upload auf youtube läßt sich zwar dort schnell löschen, aber nicht mehr aus dem kollektiven Webgedächtnis. Das schockierende meisterhafte Audio überlebte als file unten in diesem Blog: Too big, yo! und wurde zur neuen Butler-Hymne 2010. Yo, that was really silly, aber schön. G-Time und die Dawgs – too big for Duke? I certainly hope so!

Let´s go Bulldogs, let´s make it big, yo!

OldSchoolBaller wünscht allen eine „Gute Nacht“ und ein tolles Finale!

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5 Gedanken zu „Too big, yo! oder „The road ends here“

  1. Ein gigantisches Finale. Spannung bis zum Abwinken. Da sieht man doch den Vorteil von Playoffs/Final Fours. Echte Endspiele gibt es in einer Liga sonst nur sehr selten. Und somit auch nicht so endgeile Spiele wie dieses.

    „The road ends here.“ In diesem Spiel war es eher eine Achterbahnfahrt die mit diesem klasse Dreierversuch endete. Der Höhepunkt eines Spiels mit 15 Leadchanges (bei der letzten Einblendung, an die ich mich erinnern kann). Duke eigentlich immer mit der leicht besseren Aussicht auf den Sieg, die höheren Führungen. 8 zu 0 Blocks, wenn ich mich nicht täusche. Ganz schön deutlich zu sehen, wer da körperlich die Macht war. Obwohl Butler in der ersten Halbzeit am offensiven Brett richtig gute Arbeit gemacht hat. Entschieden hat es wahrscheinlich die um ~ 10 Prozent schwächere Trefferquote bei Butler.
    Aber zurück zum Anfang. Das Ende hatte es in sich. Ich beginne bei 3:16 Rest. Butler hatte sich wieder ran gekämpft, aber Duke scheint sich endgültig absetzen zu können. 2 Freiwürfe zum 55-60, die quasi 2.höchste Führung des Spiels. Meine Hoffnungen für Butler sanken gewaltig. Aber im Hinterkopf immer noch das Gießen – Tübingenspiel. Als Mack dann noch den Wurf vergeigt, ging die Hoffnung wirklich gegen Null.
    Dann der vermeintliche Schock. Im ersten Moment dachte ich Howard bekäme gerade das 5. Foul, damit wäre die Sache für mich gegessen gewesen, da es ja noch 2 Schuß gegeben hätte. Aber die Erleichterung folgt wenig später, Traveling -> Ballbesitz für Butler. Und dann einer der schönsten Spielzüge des Spiels.Hayword bedient von der 3er-Linie den am Zonenrand mutterseelenalleingelassenen Howard (wie ich diese beiden Namen doch liebe), der auf 3 verkürzt. Die beiden nächsten Angriffe sind in meiner Erinnerung nicht mehr vorhanden, aber das Play-by-Play gibt den Hinweis, dass Howard schon wieder einen Lay-Up verwandelt und Butler somit bei 55 Sekunden Restspielzeit wieder auf einen Punkt dran war.
    Der bis dato so überzeugende Singler trifft im Gegenzug nach einer Duke-Auszeit nicht und somit hat Butler nun die Chance auszuspielen. Der Milchbubi-Coach bleibt aber völlig gelassen, gibt nur ein System vor und verzichtet auf eine seiner beiden Auszeiten. Und das zu recht, wie sich nach einer Aussituation am Bankende der Baseline herausstellt. Die erste Auszeit nimmt er bei 14 Sekunden, nachdem der Ball von Duke an der Baseline ins Aus gespitzelt wurde. Nach dieser Auszeit schaffen es die Jungs (Hayward beim Einwurf hatte keine vernünftigen Passoptionen) aber nicht, den Ball ins Spiel zu bringen. Die letzte Auszeit rettet vor der 5-Sekunden-Violation. Howard bringt den Ball dann zum potentiellen Helden des Abends.
    Gordon Hayward – Fast schon süß kann man sein Auftreten bezeichnen. Jung und unschuld. Oder so ähnlich ;-) Aber den Helden traut man ihm im National Championship Game eher nicht zu, eher in einer typischen Collage-Liebes-Schnulze. OSB schrieb ja schon über ihn.
    Im Alleingang von Singler oder Scheyer verteidigt versucht er es mit einem Zug zum Korb. In meinen Augen läuft Lorenzo Williams wieder in 4,5 Sekunden durch die Zone und schließt just-in-time mit irgendeinem Brett-Korbleger ab. Hayward bleibt dieses Buzzerbeater-Glücksgefühl hier aber verwehrt. Mit guter Verteidigung zu nem extrem schweren Fadeway Jumper von evtl. sogar hinter dem (virtuell verlängertem) Brett gezwungen, macht er den bestmöglichen Schuß draus. Hat aber Pech und der Ball springt vom Korb wieder zurück in die Hände von Brian Zoubek. Sein 10. und wohl wichtigster Rebound des Abends. Schon beim Einlauf wurde er nicht gerade freundlich empfangen, entwickelte er sich trotz Foultrouble zu einem Butler-Problem beim Rebound. Das sofortige Foul bei noch 3,6 Sekunden kam selbstverständlich.

    Wieder geht meine Erinnerung an Gießen – Tübingen. Die letzten 4 Freiwürfe der Tübinger fanden allesamt ihren Weg in den Korb nicht. Selbst der vorher so nervenstarke Radkovica versemmelte beide, vielleicht auch wegen der Osthölle, die da wieder mal so richtig kochte. Im Fernsehbild kam diese Athmosphäre aus der Stadt der Butlers, trotz der wichtigen Situation nicht rüber. Obs an der 72000-Zuschauer-Arena liegt oder am Ton? Auf alle Fälle trifft Zoubek (Center und Freiwürfe…) den ersten Versuch zum Jubel der Duke-Anhänger.
    Der Kommentator sagt währrend er schon zum 2. Freiwurf ansetzt noch, dass Butler jetzt wohl lieber kontrolliert bei -3 einwerfen wolle, statt bei -2 aus dem womöglich chaotischen Rebound einen Schuß zu kreieren. Was folgt, der im Vergleich zu den Butler-BigBen wie Goliath wirkende Riese vergibt den Wurf.
    Jetzt kommt fast der große Auftritt von Gordan Hayward. Sicher den Rebound gefangen, umständlich aber mit großer Übersicht den Weg nach vorne gebahnt, schießt er seinen Buzzerbeater kurz vor der Mittelline ab. Der Ball fliegt gut, sehr gut sogar. Erinnerungen an Heiko Schaffartziks Dreier gegen Bonn aus der letzten Saison oder seinen Buzzerbeater von der Mittellinie bei der EM 09 kommen auf.
    Live sehe ich am Ball gar nicht ob er nun durch den Ring ist oder nicht. Ein Bildruckeln lässt den Ring für mich quasi verschwinden. Aber die Butlerspieler werfen resigniert das Handtuch, die Dukeler rennen mit erhobenen Armen zu ihrer Bank.
    Gordan Hayward hätte zum Helden werden können, zweimal so verdammt dicht dran. 2 der schwierigsten Würfe im Basketball. In einer Situation, die schwerer wahrscheinlich nur im letzten NBA-Finale oder dem Olympiafinale sein könnte. Und er macht beides mal ein super Wurf, das letzte notwendige Quentchen Glück fehlt ihm. Mein Spieler des Tuniers! Too big, das musste er am Ende Duke gegenüber wohl eingestehen… Leider, ich hätte es dem absoluten Aussenseiter sehr gegönnt. Erst recht nach diesem Spiel.

    Bewunderswert nach dem Spiel, sehr faiers Gratulieren von Butler an Duke und angebrachter Siegestaumel im Beisein der Unterlegenen. Dann brach zum ersten mal in diesem March Madness bei mir On Demand zusammen. Passend zum Spiel.
    Das kann nur Basketball! Auch wenn ich da jetzt den Fußballbegriff „Meister der Herzen“ aus dem Hut zaubere. So spannend kanns über das komlette Spiel nur bei Spiel mit der orangenen Lederkugel sein.

    Bei Facebook geht jetzt der Streit los den Fans. Mitleid mit Butler aus allen Ecken, „so close“ ist wohl eins der häufigsten Phrasen derzeit. Duke-Fans (richtig penetrant ist aber nur einer im Moment…) wollen zeigen wie toll ihre Mannschaft doch sei, mit der höchsten Siegrate in allen Sportarten. Und Kritik an seinem Verhalten stempelt er mit schlechten Verlieren ab. Zum nachlesen.

    Auch von Facebook/NCAA-Zuschauern: PLAYER OF THE YEAR- EVAN TURNER FROM THE OHIO STATE UNIVERSITY – Herzlichen Glückwunsch sage ich da doch mal, habe von OSU zwar nicht viel gesehen, aber eben im Finale gabs doch mehrere Kandidaten für diesen Titel in beiden Teams. (Dukes S…-Fraktion und eben Gordon Hayward). Gibt sicher Menschen die sich für die Uni freuen.

    Ich kann nur sagen, dieses Tunier hat mich begeistert. Vorher noch nie NCAA gesehen, wahrscheinlich auf die Frage was das überhaupt ist keine Antwort gewusst. Asche auf mein Haupt. Die Leidenschaft, die tolle Übertragung for free im Netz und die Spannung der Spiele. Mich hat es überzeugt. UNI, OSU und und und… Für mich zwar immernoch zum Großteil unbekannte Abkürzungen, allzu viele Collages kenne ich auch nicht. Aber Spaß hat es mir gemacht mir die ein oder andere Nacht um die Ohren zu schlagen.

    Ich freue mich jetzt schon auf 2011 und vielleicht wird dann ja Ellias Harris zum Helden. „Who knows“ und „Alles ist möglich“ ;-)

    Hilfe ist das lang geworden, sollte eigentlich nur ein kleiner Kommentar werden :D

  2. @Zugvogel: Mir ging es fast 1:1 wie dir – erstes Mal dabei, dazu noch zufällig direkt bei Butler. Die beiden großen geliebt, Hayward eine große Zukunft vorhergesagt – nächstes Jahr gerne wieder.

  3. They made it again! Ohne Hayword, aber mit genialem Howard und einem megastarken Shelvin Mack wird das ein hoffentlich genauso spannendes Finale wie letztes Jahr am Montag geben. Diesmal bitte mit richtigem Ausgang!

  4. Pingback: It’s March, go for it! « Jogies Welt

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