Ein Blick hinter die Kulissen in Trier

Es ist ein seltenes Highlight für den Basketballfan. Der Aufsichtsratsvorsitzende der neuen Treveri Basketball AG stand dem Macher des „RPR1 Hochwald frische Milchideen-Livestreams“ Chris Schmidt über zwei Stunden Rede und Antwort zu allen Fragen des Trierer Basketballs und dem neuen Konzept des „ehrlichen Basketballs“. Hier der Link zum Interview und ich erlaube mir, ein paar Zitate rauszupicken und zu kommentieren.

Aus Berliner Sicht besonders spannend: Wird Henrik Rödl neuer Trierer Trainer?

Vor Wochenfrist gab es einen PR-Gau in Trier, die es schafften per Anwaltsbrief ihr Fanforum lahmzulegen. In der Folge waren die Fans sehr stinkig, doch vermutlich war es nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der freie Journalist und Radiokommentator Chris Schmidt, der für RPR1 den Livestream macht, sammelte über hundert offene Fragen und bohrte beim neuen Aufsichtsratschef Ralph P. Moog nach.

Die ersten zwanzig Minuten des Interviews handelten im Kern vom Skandal um die Abschaltung des Forums der TBB-Supporta. Dies ist nun endgültig offline, doch der Fanclub hostet ein neues (mehr bei PForsberg). Mich hat dieser Teil des Interviews nicht überzeugt. Zu holzschnittartig verwies Moog darauf, dass man etwas tun musste. Dass die Forderungen gegenüber den Forenbetreibern rechtlich wenig Substanz hatten, geht leider etwas unter. Moog sagt, dass sie eigentlich nicht eskalieren wollten und gesteht ein,  dass es von außen so aussah,

„als wollten wir mit Kanonen auf Spatzen schießen“.

Doch der Insider, der plauderte, sei ein Problem gewesen. Letztlich habe ich jedoch den Eindruck, dass vom Trierer Management das Problem im Kern nicht verstanden wurde.

Spannender und aufschlussreicher sind jedoch die Aussagen zu Etats und Strukturen. Ich will und kann hier nicht ins Detail gehen, dazu sind es viel zu viele kleine Informationen, die wohl die Insider auch besser bewerten können.

Eines aber lässt sich festhalten. Chris hat es geschafft, klare Statements zum Etat 2010/2011 zu bekommen. 1,75 Millionen € sind der Etatansatz. Davon ein Drittel Zuschauereinnahmen und zwei Drittel Sponsoreneinnahmen aus einer breiten Sponsorenbasis. 80 % der Sponsoreneinnahmen sind bereits nachgewiesen, 20 % stehen noch vor dem Abschluss. Es klingt, als würde Trier nach den finanziellen Schwierigkeiten und dem damit verbundenen Paycut in dieser Saison nachhaltiger und vernünftiger wirtschaften. Natürlich sind 1,75 Mio. € eher im unteren Drittel der BBL anzusiedeln, aber es ist eben auch kein knapper Etat.

Sportlich klingt es so, als wolle Trier wirklich ein neues Konzept aufziehen: Mehr auf den Nachwuchs setzen, in drei bis fünf Jahren eine der ersten Adressen für junge Spieler, eine „Kaderschmiede für deutsche Spieler“ sein. Auch der neue Trainer, der noch gesucht wird bzw. wo es mit einer Person konkrete Verhandlungen gibt, soll hierzu passen:

Der Trainer muss verstehen, verinnerlichen und von der Idee begeistert sein, dass Nachwuchsarbeit die gleiche Bedeutung hat, wie der Bundesligabetrieb. Der Trainer muss eine Mannschaft mit Charakter aufbauen.

Gleichzeitig hat man wohl erkannt, dass es für die Entwicklung nicht reicht, im eigenen Saft zu kochen. Sie wollen mehr Einfluss in der Liga, um da die Dinge zu verbessern:

„Als einzelner Club können wir zwar wunderbare Arbeit leisten, wenn aber das Produkt Basketball bundesweit nicht weiterentwickelt wird, wird das nicht viel helfen.“

In der gemeinsamen Organisation, dem „Vehikel Beko BBL“,  könnte und müsste man mehr tun, um die Marke Basketball zu verbessern. Dort will die TBB ihren Einfluss geltend machen, erkennt aber, dass sie ihn erst erarbeiten muss.

Und irgendwo nach anderthalb Stunden gibt es dann auch die Antwort auf die Frage: Was meinen Sie mit ehrlichem Basketball?

Ganz oben stand bei der Überlegung ehrlicher Basketball der finanzielle Aspekt. Wir wollen uns nur die Mannschaft auch wirklich leisten, die wir uns leisten können. Das ist ehrlich den Fans gegenüber, das ist ehrlich den anderen Mannschaften gegenüber, die sich dann auch nur die Mannschaften leisten, die sie sich leisten können. Das sollte einer der Grundsätze sein, weil die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der TBB immer kritisch war. Es gibt immer weniger Clubs, die in dieser Richtung haben Schwierigkeiten haben. Alle Clubs werden immer professioneller, werden kaufmännisch geführt.

Es wird deutlich, dass nicht nur in dieser Frage viel Vertrauen verspielt wurde und dies zurückzugewinnen nun die wesentliche Aufgabe ist, die Ralph Moog augenscheinlich auch ernst nimmt.

Ich kann nur jedem Fan – und vielleicht auch manch einem Journalisten – empfehlen, sich das  Interview in Gänze auf den iPod zu laden und in den nächsten Wochen zu hören. Es gibt viel über die Probleme und Herausforderungen eines Basketballclubs in Deutschland, über den Grad der Professionalisierung in unserer Liga, die wirtschaftliche Situation von Basketball in Deutschlad und das Verhältnis eines vielleicht typischen Durchschnittsclubs der Liga zu Fans und Medien.

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5 Gedanken zu „Ein Blick hinter die Kulissen in Trier

  1. Pingback: Tweets die Ein Blick hinter die Kulissen in Trier « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans erwähnt -- Topsy.com

  2. Wer sich wundert, warum sich der Artikel etwas verändet hat: Er ist sukzessive beim Hören entstanden und ein paar Dinge mussten korrigiert bzw. hinzugefügt werden. Zu Henrik Rödl gibt es etwa bei Minute 120 ein lauwarmes Statement, dass Rödl als Trainer schon ins Konzept passen würde, aber man eben nicht kommentieren würde. Viel Spaß bei den weiteren Interpretationen… Wenn ich es richtig mitbekommen habe, macht Rödl diesen Sommer wohl nicht mehr die U20 Nationalmannschaft, ist er tatsächlich wieder auf dem Trainermarkt?

  3. Sollte Rödl Alba wirklich verlassen, ergibt die ganze „Hennig Harnisch konzentriert sich auf die Jugend“ Sache eine ganz neue Sichtweise und vielleicht auch noch mehr Sinn. So wird vielleicht Wochen später die ganze Sache rund…

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