ALBA Offseason-Analyse – Teil 2: Die Pointguards

Es schreibt Ron-Revolution (mehr Einleitung gab es gestern):

Für mich gibt es im System von Luka Pavicevic zwei Schlüsselpositionen: den Power Forward und den Pointguard. Über den Power Forward ist schon viel gesprochen worden (und folgt an dieser Stelle später mehr). Der Pointguard ist meines Erachtens in der allgemeinen ALBA-Debatte etwas unterschätzt. Er eröffnet jedes System, bei Pavicevic ist es entscheidend, wie er das Pick and Roll einleitet. Funkioniert das nicht, muss er durchsetzungsstark zum Korb Ziehen und einen klugen Paß nach draußen spielen können. Funktioniert das Pick and Roll, ohne, dass der Center selbst abschließen kann, ist er eine der späteren Exitoptionen von draußen. So oder so: ein Luka-Einser muss fast alles können, dirigieren, eröffnen, passen, abschließen. Dazu natürlich gut verteidigen. Das ist, mit Verlaub, eine ziemlich hohe Messlatte.Dazu kommt für mich ein Punkt, der sich nicht in Statistiken messen lässt: Emotion und Führungsstärke.

All das zusammengenommen führt mich zu der These, dass die Auswahl auf dieser Position eine entscheidende für den Erfolg der Saison ist, aber fangen wir mit den Fakten an: Steffen Hamann bleibt. Rashad Wright bleibt nicht.

Wright ist ja kein schlechter: 9,8 ppg in der Bundesliga, 36 Prozent Dreier, in den Playoffs sogar 56 Prozent. Die Saison 2009/2010 war deutlich besser, als die davor. Er verteidigt gut, spielt die Spielzüge solide, leitet anständig das Pick and Roll ein, im Fast Break ist er etwas egoistisch, aber effektiv. Nur: die Dreierquote ist für einen exzellenten Pointguard unter Pavicevic zu schlecht. Und vor allem: er ist kein Anführer, der Klarheit und Emotionen auf das Parkett bringt.

Hamann hat im oben beschriebenen Anforderungsprofil viele Stärken (Verteidigung, Zug zum Korb, Pass nach Draußen, hohe Emotionalität), aber auch einige Schwächen: mittelmäßiges Pick and Roll, schwacher Dreier, schwächere linke Hand. Das hat oft dazu geführt, dass ALBAs Gegner sich entschieden haben, den Pointguard offen am Perimeter zu lassen, in der Hoffnung, Hamann werde verwerfen (oder verweigern).

Was wir brauchen, ist ein aggressiver, ein anführender, ein scorender Pointguard. Einer, der zusätzliche Gefahr ausstrahlt, und uns damit nicht so berechenbar macht, wie wir das zuletzt für Mannschaften aus der BBL waren, die ALBA gut kennen. Einer, der dieses Quantum Emotion auf das Feld bringt, wenn sonst nichts geht. Der gut genug ist, aus einem System auch mal auszubrechen, wenn keines der Systeme funktionieren will. Das alles ist Wright leider nicht.

Taylor Rochestie wäre aus meiner Sicht zumindest ein Pointguard, der einige dieser Anforderungen vereint. Neben dem exzellenten Dreier (40 Prozent durch die Saison) sind das vor allem Emotion und ein Gefühl für die Crunchtime. Rochestie hat 15,3 Punkte pro Spiel aufgelegt, dazu 3,1 Assists verteilt. Gegen ihn spricht, dass er mit 1,85 Meter etwas klein ist, mäßig verteidigt und nicht beidhändig beim Korbleger ist – ein Punkt, den Pavicevic für moderne Pointguards als Maßstab anlegt. Die Bundesliga wird Rochestie leider vorerst nicht wiedersehen, er hat vergangene Woche bei Galatasaray Istanbul unterschrieben. Wirklich schade. Auch Louis Campbell ist vom Markt, den ich ebenfalls gerne bei ALBA gesehen habe; mal sehen, ob ihn die Oldenburger tatsächlich mehr auf der 2 einsetzen.

Ein weiterer Pointguard, dessen Name in den vergangenen Tagen häufig gefallen ist, ist Bobby Brown. Er verkörpert die Meisterschaft, seit eine kleine, dezimierte, aber willensstarke ALBA-Mannschaft 2008 den Titel nach Berlin holte. Bobby fing als Novize in Berlin an und ging als Führungsfigur, exzellent gecoacht von Luka Pavicevic. Am Ende standen
13,8 Punkte pro Spiel, 36 Prozent Dreier während der Saison und 44,4 Prozent Dreier in den Playoffs in der Statistik. Vor allem aber: er brachte Emotionen und Willen auf das Parkett.

Bobby hat nur einen Haken: er war sehr billig, als er kam, und sehr teuer, als er ging. Bobby hatte schon in seiner Saison nach ALBA Angebote aus halb Europa, von Maccabi Tel Aviv und Tau Vitoria zum Beispiel, die ihm einen Millionen-Kontrakt anboten (den er zu Gunsten der NBA ablehnte). Die Zeiten haben sich zwar etwas geändert, aber sein Marktwert ist nach zwei Jahren NBA nicht sehr viel niedriger geworden. Ich fürchte, wir werden ihn in Madrid, Barcelona oder im Baskenland wiedersehen, in der O2-Arena wohl bestenfalls zu Besuch.

Den Pointguard werden wir deshalb wohl von außerhalb der BBL bekommen.

Aus meiner Sicht gibt es noch ein weiteres Argument, warum wir einen Pointguard brauchen, der scoren und das Team führen kann, und das ist die Arithemthik des Teams. Julius Jenkins war als Kapitän und Top-Scorer in der entscheidenden Phase der Saison leider überfordert. Aber dazu morgen mehr.

Morgen: Die Shooting Guards

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4 Gedanken zu „ALBA Offseason-Analyse – Teil 2: Die Pointguards

  1. Moin Ron,
    zunächst einmal teile ich Deine Auffassung, dass Luka ein klassischen PG braucht, soche sind selten geworden, eigentlich passt (unabhängig von seiner Qualität) ein Hamann gar nicht zu Luka, für mich bleibt er in Berlin unter Luka ein Politikum, das bedeutet NICHT, dass ich seine Qualitäten nicht schätzen würde. Wird irgendwie nicht so gerne thematisert, ist offensichtlich irgendwie unangenehm für Berliner…
    Deine Einschätzung von Rochestie entspricht ja fast meinem Wortlaut, spannender als die Tatsache, dass er einhändig ist wäre doch für mich gewesen ob er tatsächlich in Berlin ein Thema war, ich kann es mir weiterhin nicht vorstellen. Nachdem er in Istanbul unterschrieben hat lohnt ja ein verbloggen kaum – anders hingegen würde es sich mit einer Analyse von Anton Gavel verhalten, auch da gibt es SDreske Gerüchte, ich finde den geil und eiskalt ABER eigentlich auch kein Luka-Mann. Was meinste, besser als Rochestie ist der allemal…nehme an den haste bewusst ausgeklammert, oder…?:P

    Ich glaube Luka verpflichtet auf der 1 jemand mit dem er sich in seiner Muttersprache verständigen kann.

    Habe nicht nochmal geguckt wasste gestern geschrieben hast aber wir sind uns doch einig, dass es dieses Jahr für Luka um seine Karriere geht – entweder Erfolg oder keine Euroleagueteams für ihn in der Zukunft.

    Spannend, ich mag Deine Serie, dranbleiben!

  2. Eine ganz hervorragende Analyse. Mit einer kleinen Einschränkung: Durch die neue Dreier-Linie wird auch Luka sein Konzept wohl zumindest zu Anfang der Saison ein klein wenig ändern müssen. Es wird mehr Raum unter den Körben sein und die Zahl der Drei-Punkte-Würfe abnehmen. Da kann man sich schon auch überlegen, ob man nicht auf einen Point-Guard setzt, dessen Offensiv-Stärken im Passspiel und im Zug zum Korb liegen. Der halbe Meter mehr macht viel aus: Es werden nicht mehr alle die Dreier nehmen.

  3. Ach, und eins habe ich noch vergessen: Die Tage werden wir mehr wissen. Am 30. Juni laufen soweit ich weiß die Vertrgäe und Optionen aus. Die NBA-Summerleagues beginnen am Wochenende. Da drohen erfahrungsgemäßt bald Nachrichten. Byars spielt übrigens bei den Bulls in Vegas. Er kämpft um die NBA und wirds doch nicht schaffen.

  4. Eins verstehe ich nicht an der Analyse/dem Ausblick. Es wird richtig aufgezeigt, was ALBA braucht und gleichzeitig bestätigt, dass Wright weg ist. Dann aber, als der Punkt kommt die Stellenbeschreibung mit Leben zu füllen werden Wright, Rochestie und Campell besprochen – allesamt keine Optionen mehr. Hier würde ich mir Namen als Debattengrundlage wünschen, die auf die ein oder andere Art noch machbar sind, dann diskutiert sichs leichter :-)

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