Süpercüp – Hedefiniz Istanbul!

Supercup in Bamberg und eine weitere Station auf dem Weg in die Türkei zur Weltmeisterschaft 2010  für unser Nationalteam. Beim Turnier in Leiden (hier und hier) waren die Gegner mit Belgien, den Niederlanden und Schweden etwas leichter einzustufen. Dort reichte es trotz durchwachsener Gesamtleistung mit 2 Siegen bei einer Niederlage sogar zum Turniersieg. Für das lovecyprus-Turnier – sinnigerweise auf Zypern – galt das nicht mehr. Dort waren mit Griechenland, Kroatien und Rußland bereits Teile der europäischen Elite am Start und schon im ersten Spiel gabs ordentlich Feuer.

Gegen die Griechen sah das Team von Anfang an so aus, als wären zwar die selbstdesignten Schuhe und alles andere per Gepäck rechtzeitig auf Zypern eingetroffen, nicht jedoch die mentale Einstellung. Die war irgendwo am Flughafen noch unter „lost luggage“ abgestellt. Irgendwie war man wohl richtig derbe überrascht, dass ein paar Südosteuropäer einem die Murmel klauen wollen. Gar nicht nett das. Dementprechend gabs mit 82:54 mächtig was auf die Mütze. Zwischendrin waren es auch schon 40 Punkte Differenz, bevor die Griechen einen Gang runterschalteten. Ob das aber der Grund ist, dass die Scouter im nachhinein annahmen – siehe verlinkte Stats – es handle sich um ein Damenteam? Ja, wer weiß das schon. Gottseidank wollten die Jungs das nicht auf sich sitzen lassen und lesen auch bei gruebelei auf facebook mit, wo ich mich vor Spiel 2 mit der Ansage, dass das gegen Kroatien „GANZ anders aussehen und ein völlig anderes Spiel wird“, recht weit aus dem Monitor lehnte. Danke an das Team, das mich hier rettete und wortgetreu meine Prognose umsetzte. Von Anfang an standen nun 12 wache Spieler auf dem Feld und man verlor nur mit 1 Pünktchen. Auch gegen Russland war man von Beginn an präsent und es funktionierte  wieder: Ergebnisprognose via Foto auf der facebookgruebelei und braves Lesen und „auf Ergebnis spielen“ der deutschen Mannschaft. Vielen Dank dafür auch im Namen meiner Eltern.

Anscheinend braucht aber das Team immer erst einen Anstoß von aussen. Toll ist es, dass dann eine gute Reaktion kommt. Schlecht ist es, dass es erst eines solchen Anstoßes bedarf. Das scheint so ein wenig die deutsche Mottoshow zu werden, denn in Bamberg ging es ähnlich weiter. Am ersten Spieltag gegen Kroatien startete man super, das Publikum rieb sich die Augen, aber dank eines 0-18 Laufes von 23-8 auf 23-26 geriet die deutsche Mannschaft in Rückstand und zerbröselte zusehends auch mit den vielen Wechseln Bauermanns (sicher notwendig in der Vorbereitung, aber zeitweise doch zu rhythmusraubend). 

Über 50-69 ging es bis zum milderen Endstand von 67-79 (Beste Spieler Ohlbrecht und Hamann / Jagla und Schwethelm setzten aus.). Es fehlte einfach die Antwort auf den ersten großen, kroatischen Run und deren wechselnde Verteidigung. Besonders Tibor Pleiß wirkte müde, kam gar nicht zu Recht und infolgedessen zusammen mit Harris eine Denkpause am 2. Tag gegen Litauen.

Jagla war wieder mit dabei und führte mit Hamann und Greene, der vor allem defensiv glänzte, die Mannschaft an. Von Beginn an ließ er seine Energie raus und riss so alle mit, auch das Publikum. Das 35-40 zur Halbzeit war noch ein ausgeglichenes Spiel, nach der Pause ging leider nicht mehr viel. 46-63 stand es zwischenzeitlich gegen die mannschaftlich kompakt stehenden Litauer – ein Team trotz Kleiza ohne Superstarallüren und immer gut gelaunt und zu Spässen aufgelegt. Deutschland kam nochmal zurück und kämpfte sich bis zum 67-78 Endstand ran. Trotz des fast identischen Ausgangs ein deutlich besseres Spiel des deutschen Teams als am ersten Tag. Endlich zeigten sich ein paar leader im pack, die Verantwortung und das Kommando übernahmen. Eine klare Rollenverteilung und eine Mannschaftshierarchie ist nicht nur wichtig, sondern bei so einem jungen Team geradezu ein Muss für die WM.

Am 3. Spieltag bei Bamberger Supercup war die Stimmung des Teams dann plötzlich anders und endlich so, wie sie eigentlich bei jedem Länderspiel sein müsste, um auf dem Niveau nicht nur, wie schon so oft, mitspielen,  sondern auch tatsächlich den Sieg einfahren zu können. Mit einem Mal war er da, der Funke, den offenbar alle Spieler brauchen, um gemeinsam auf dem Toplevel zu agieren. Aufgeheizte , erwartungsvolle, positiv angespannte Atmosphäre in der Halle, viele enthusiastische türkische Fans und ab ging die wilde Fahrt. Vom mentalen „Hallo-wach-Effekt“ der lauten Arena profitierten am meisten die jungen Spieler. Harris und Benzing waren endlich da, nicht nur anwesend, Jagla bei seinem 100. Länderspiel in Kampflaune und Pleiß nach seinem Ruhetag angriffslustig. Nach einem Monsterblock gegen einen türkischen Spieler übte er mit dem nicht nur die Ekimobegrüßung, sondern brüllte den ganzen Frust der letzten Tage raus und dem Gegner mitten ins Gesicht. Nicht nur für die Zuschauer kam das total überraschend, auch der Referee guckte bloß verblüfft und vergass das T. Endlich mal eine sichtbare Emotion, endlich mal alle gleichzeitig richtig alert und aggressiv auf dem Feld. Und dann reichte es nämlich auch beeindruckend souverän gegen das türkische WM-Gastgeberteam, die zwar mit 2 richtig guten big men auflaufen (Asik und Erden), aber trotzdem, durch vorbildliche Arbeit des deutschen Nationalteams unter beiden Körben, das Reboundduell deutlich verloren.

Fazit und WM-Ausblick:

Gerade die Youngster im deutschen Team wirkten in der Vorbereitungsphase mehrfach mental überfordert bzw. ausgelaugt – vielleicht ein Indiz dafür, wie sehr eine pausenlose körperliche und psychische Präsenz auf diesem hohen Level anstrengt und auch Gewohnheits- und Trainingssache ist. Mentale Kondition sozusagen. Deutlich sichtbar hatten in diesem Bereich die deutschen „young guns“ die meisten Probleme. Wie reagieren, wenn es nicht läuft und Dinge schief gehen? Wie sich selbst aus dem mentalen Loch ziehen?  Was tun, wenn der Schuß nicht fällt, der Pfiff nicht kommt und der Gegner taktische Varianten auspackt? Sicher etwas, was man nur begrenzt auf dem Trockenen trainieren kann. Auch an den jeweiligen Ligaspielorten ist kaum ein Spieler, der wirklich die Kastanien aus dem Feuer holen muss, wenn es in der crunchtime drauf ankommt – ein grosser Unterschied zu fast allen Topteams. Einige im Team machen das durch Erfahrung wett (Jagla, Hamann, Greene), die den anderen schlichtweg fehlt. Den Deutschen bleibt also nur: rein ins kalte Wasser, spielen, spielen, spielen und blaue Flecken holen. „Learning by doing“ eben. Geht ja nicht anders.

An der Teamchemie gibt es sicherlich nicht das geringste Auszusetzen, die ist spürbar sehr gut. Trotzdem wird in einem so unerfahrenen Team eine klare Struktur benötigt. Diese kristallisiert sich nun langsam heraus. Die drei „alten Hasen“ – eine Rolle, in die auch sie erst wachsen mussten – sind hörbar die Leader im Team, die anderen versuchen sich an ihnen zu orientieren.

Die Einstellung und mentale Präsenz: ständiges Gegenhalten, Wadenbeissermentalität und Kämpfen mit dem Gegenspieler sind reine Kopfsache. Zu oft war es so, dass dies von aussen kommen musste. Das kann und darf es einfach nicht sein. Weder darf man dafür eine volle Halle oder aufgeheizte Stimmung brauchen, noch 3 erfolgreiche eigene Würfe, noch einen puertorikanischen Schultercheck oder brüllende Trainer. Eine solche Wettkampfeinstellung MUSS aus dir selbst kommen, wenn es dauerhaft und stets abrufbar sein soll. Wie man diesen „state of mind“ jeweils persönlich erreicht, kann verschieden sein und ist vollkommen egal, solange dazu keine metallbebeinten Stühle aus dem Publikum benötigt werden. 5 Spiele in 6 Tagen werden bitter genug, irgendwie muss es jeder jeden Tag selbst schaffen mit der notwendigen Aggressivität aufs Parkett zu kommen, das kann einfach niemand anderes für dich leisten.

In einem Brosetwon Stadtmagazin „Journal Bamberg“, von dessen Cover a fesches Maderl(a) im blaukarierten Dirndl herabgrinst, findet sich nicht nur eine achtseitige Intim-Reportage über eine unheimlich hässliche Ausfallstrassemit „M“, deren Name mir gerade entfallen ist, sondern auch ein gutes Interview mit Volker Stix. Bis auf einen Punkt, war ich mir mit ihm einig. Er sagt, dass Deutschland die Gruppenphase überstehen will um „dann alles zu tun, um das Viertelfinale zu erreichen“. Die Idee klingt gut, ich halte sie für falsch. Der Fokus muss meiner Meinung nach ganz dringend um 1 Woche vorgezogen werden.VORHER, nämlich noch in der Gruppenphase in Kayseri, muss alles menschenmögliche und -unmögliche getan werden, um Platz 3 zu erreichen. Bei Platz 5 und 6 hat es sich eh erledigt,  Platz 4 bringt zwar das Ticket nach Istanbul, dort aber das todsichere Aus gegen die USA. Will man wirklich ins Viertelfinale, muss die allerbeste Leistung in der dünnen Luft der zentralanatolischen Hochebene kommen. Ich widerspreche also strikt dem Cotrainer, hoffe, dass das Team wieder gut mitliest und würde es ihnen von Herzen gönnen und glaube, die spielen sich die ihren aus dem Leibe!

Auf geht’s – gibt nix zu verlieren, aber ne Menge zu gewinnen. Hedefiniz Istanbul!!!

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3 Gedanken zu „Süpercüp – Hedefiniz Istanbul!

  1. Schuhkarneval. Weiß echt nicht, welche ich am schlimmsten finde :D Ich glaube die von Ilyasova. Das mint hat sich so dermaßen mit dem rot der Trikots gebissen, das ging gar nicht. ;)

  2. Schlappenalarm. Seltsam, aber lustig, sah ein bisschen aus, wie Lottes Barbiedesign. Nun ja, Knallbonbonfarben und Machobaerte – muss ja jeder seine ganze Persoenlichkeitspalette ausleben. Find ich gut :D Und eigentlich musste in diesem Zusammenhang auch noch ein Gag ueber Gruebler im Schlach….aehh Trachtenhof Nuebler her, aber es fehlte leider die Zeit :-(

  3. Pingback: Basketball (nicht nur in Pécs) Part II oder Beko Supercup in Bamberg | Kadda in Pécs

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