Selektive Wahrnehmung

Wir Fans diskutieren leidenschaftlich über Schiedsrichterentscheidungen. War es ein Foul? Wenn ja, wer hat es begangen, das Team in Ballbesitz oder der Gegner? Wir beobachten. Im Gegensatz zu Schiedsrichtern liegt der Schwerpunkt unserer Wahrnehmung aber selten auf den Regelverletzungen, sondern dem Spielfluss. Ich beobachte vielleicht meinen Lieblingsspieler, ein besonders interessantes Duell, einen Gegenspieler, der mir positiv oder negativ aufgefallen ist. Was sehe ich wirklich?

Nach dem Spiel ist sich oft jeder Fan ganz sicher, dass er (oder sie) ganz genau gesehen hat, was wirklich geschehen ist. Wir waren Zeugen des Geschehens. Aber – das müssen Juristen in der Praxis immer wieder leidvoll erfahren – unsere Wahrnehmung ist selektiv. Das Blog von Rechtsanwalt Brandau beschreibt dies anschaulich. Wer das nicht glaubt: Für uns Basketballfans gibt es ein großartiges Testvideo von „Transport for London“:

Nicht nur im Gerichtssaal, sondern auch am Spielfeldrand dürfte die rhetorische Auffordung vom bloggenden Richter Ballmann (mit weiterem Video) gelten: Zuverlässige Zeugen gesucht.

Schiri-Pfiffe sind Tatsachenentscheidungen. Jedoch auch Schiris nehmen nur selektiv wahr. Dass das menschliche Gehirn manchmal komische Dinge tut, das müssen wir wohl einfach akzeptieren. Vielleicht ist es ein Grund, mal darüber nachzudenken, ob man wirklich über einen einzelnen Pfiff meckern und ihn lang und breit diskutieren muss.

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4 Gedanken zu „Selektive Wahrnehmung

  1. Pingback: Von Flops und Floppern – Vor dem dritten Viertelfinale | gruebelei.de

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