Playoffnachlese: Trotz Niederlage(n) viel gewonnen

Donnerstagabend ist ALBA Berlin nach einem harten fünften Playoffspiel gegen die Paderborn Baskets ins Halbfinale eingezogen. Einen solchen Verlauf der Serie hatte kaum jemand erwartet. Gedanken im Nachgang zur wohl bislang bestbesuchten Viertelfinalserie der BBL-Geschichte.

Manchmal ist ein wenig Abstand nötig, um eine Serie bewerten zu können. Daher nun zwei Tage verzögert meine 2cents zum Ende des Viertelfinals. Man könnte natürlich sagen: Vergessen wir die Serie möglichst schnell. Schöner Basketball ist anders, hauptsache wir sind weiter. Das war wohl auch die vorherrschende Stimmung auf den Rängen der o2 world am Donnerstag. Richtig Lust auf Paderborn hatten nur wenige. Doch dass in Berlin in den drei Viertelfinalspielen insgesamt 34.610 Zuschauer in die Sauerstoffwelt strömten, das ist eine beeindruckende Zahl. Die Bild jubelt daher mit der Anschutz Entertainment Group über den fast unverhofften Geldsegen. In den 5 Spielen der Serie waren es insgesamt über 40.000. Es wird die bestbesuchte Viertelfinalserie der Ligageschichte gewesen sein.

Vor der Serie fragten sich viele: Wie soll das gegen Paderborn Zuschauer von den Sitzen reißen? Doch mit geschicktem Marketing, einem Hochstilisieren der ewigen Hassliebe der Albafans zu Chris Ensminger, Vergleichen mit Handball und Boxtraining, Handballtoren in Paderborn und Holzmichel-Tänzen des Danceteams wurde aus einem als langweilig und dröge eingestuften Duell ein erbitterter Kampf. Die Paderborner taten mit ihren beiden überzeugenden Heimsiegen dazu alles um die Spannung hochzuhalten.

Auch wenn ALBA nun die Serie gewonnen hat, kannte diese Serie viele Gewinner. Auch und gerade Paderborn hat durch begeisterndes Spiel viel Respekt gewonnen. Zweial eine ausverkaufte Halle. Nino Garris und Steven Esterkamp, die Casey Jacobsen das eine um das andere Mal abmeldeten, zeigte Qualität. Der so oft geschmähte Hobby-Rapper Garris konnte in manch einem Spiel der Serie an alte Stärken anknüpfen und beweisen, dass seine Zeit zumindest als Rollenspieler noch nicht vorbei ist.

Dass Chris Ensminger noch immer ein guter Center mit sicherem Hook und beträchtlichem Einsatz ist, werden nun wohl auch die härtesten Kritiker anerkennen. Zusammen mit dem unstoppable Nathan Peavy hängte er der langen ALBA-Garde verdammt viele Fouls an. Natürlich hat er auch Grenzen. Seine Aggressivität, die am Donnerstag in einem Konflikt mit Adam Chubb und im zweiten Playoffspiel in einem Doppelfoul gemeinsam mit Ansu Sesay gipfelte ist legendär. Insofern ist er immer auch ein wandelndes Risiko, das Spradley teils auf die Bank setzen musste. Aber kaum ein anderer Center der Liga verändert das Spiel und Verhalten auch seiner Gegner so deutlich. Kaum ein gegnerischer Fan wird ihn je lieben, aber respektieren muss man seine Fähigkeiten. Für unsere Liga sind solche Spieler, die ihrer Mannschaft ein Gesicht, den Fans einen extrakick und den Medien einen Aufhänger geben, kaum in Gold aufzuwiegen.

Ich habe lange auf youtube gesucht, ob ich irgendein Video finde, das dieser Serie gerecht wird. Wir sprachen über Handball, Ellbogen und Boxen. Irgendwie bin ich bei Karate High School gelandet: Sometimes when you lose you win.

Vielleicht passt es deswegen so gut, weil gerade auch durch die Niederlagen beide Mannschaften gewonnen haben. ALBA dürfte nun kapiert haben, dass Playoffs sind und kein Sieg selbstverständlich ist. Paderborn hat seine zu Beginn der Saison mehr als skeptischen Fans begeistert. Und auch in Berlin wird in der o2 world nun auch außerhalb des Fanblocks gestanden. Der Funke ist übergesprungen. Die Wechselgesänge sind zurück. Und auch wenn die BZ Berliner Zeitung sie kritisiert, Donnerstag hatte ich den Eindruck, dass auch Spieler wie Sesay und Wright sich gesteigert haben und die nötige Verantwortung übernehmen.

Paderborn Baskets vs. ALBA Berlin

Ansu Sesay in Paderborn (c) Photomek via Flickr (unter Creative Commons 2.0)

Schon nach Spiel 4 bin ich zurückgerudert und musste zugestehen, dass Paderborn ein verdammt gutes Playoffteam ist. Vielleicht auch beeindruckt von der Serie haben es auch einzelne Sponsoren kapiert: Die Stadt sponsort über ihre Bäderbetriebe nun die Baskets. Alleine reicht dies nicht für eine gesicherte Zukunft. Aber vielleicht ist dies der Anfang der Rettung der Baskets. Es ist ihnen zu wünschen, dass sie mit dieser Serie trotz des Viertelfinalaus eine Zukunft gewonnen haben.

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3 Gedanken zu „Playoffnachlese: Trotz Niederlage(n) viel gewonnen

  1. Danke für die guten und vor allem ausgewogenen Artikel :)
    Beim Mitlesen auf SD muss man ob der hasserfüllten Kommentare der User mit dem Kopf schütteln. Nichts gegen normale Fan-Stichelein, aber das geht da meist darüber hinaus. Deswegen tut es gut, auch mal etwas objektiver von dem Ganzen zu lesen. Herzlichen Glückwunschan Berlin zu der gewonnenen Serie, Respekt an PB zu der Leistung. Keiner wird jetzt noch sagen, dass sie nichts in den Playoffs zu suchen hatten, Alba über 5 Spiele zwingen muss man erstmal schaffen!

    Gruß
    Kathy

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