Rauschen im Blätterwald #55

Ein kurzer Abriss dessen, was mir diese Woche so aufgefallen ist, dazu ein paar Ausblicke auf das heute beginnende Wochenende. Mehr ist gegenwärtig nicht drin, da hier ein Examensendspurt auf dem Programm steht. Sollte ich also bis Ende des Monats schweigen, liegt es daran. Nun aber einmal schnell durch den Blätterwald von Weißenfels und Trier bis Düsseldorf und Berlin gerauscht. Heute mit Dylan, WDR und ganz vielen (oder wenig) Fans.

Björn Harmsen bloggt mit dylanesken Vergleichen unter dem Titel „positively 4th street“ darüber,  dass Fans und Umfeld sich gelegentlich schwer tun auch in schweren Tagen zu ihrem Team zu stehen. Etwas, dass gerade wir Fans uns immer mal wieder zu Herzen nehmen sollten. Klar, leidenschaftliches Pöbeln gehört dazu, aber trotzdem alle zwei Wochen in die Hallen strömen und Unterstützen, das macht echtes Fandasein aus, auch wenn der Block manchmal mehr Meckerecke als Partyzone ist. Wollen wir in dieser Hinsicht nicht alle ein wenig Gießener sein?

Überhaupt nicht klappt das grad in Düsseldorf. 1376 Zuschauer beim Heimspiel gegen Gießen sind die zweitschlechteste Zuschauerzahl seit 2007. Nur Paderborn am letzten Spieltag beim Abstieg war schlechter. Wenn sich diese Entwicklung bestätigt, erinnert es an Nürnberg 2006/07. Dass man von Düsseldorf nicht auf die Liga schließen sollte, erklärt der Gießener Anzeiger und knüpft an die auch hier geübte Kritik am Beitrag des WDR in sport inside an. Die Verunglimpfung einer aufstrebenden Spielklasse ist ein harter, aber im Kern richtiger, Text mit pointierten Formulierungen:

[Der Beitrag] ist die Verunglimpfung einer modernen, in den vergangenen Jahren aufstrebenden und natürlich den Marktgesetzen unterworfenen Liga durch Puristen, die immer noch der Zeit nachtrauern, als junge Burschen in kurzen Hosen für ein Schnitzel und ein Bier in Schulturnhallen mit Nylonbällen zwischen Holzbrettern herumturnten.

Und auch BBL-Pressesprecher Dirk Kaiser nimmt dort zum Beitrag des WDR Stellung:

Man kann kritisch berichten, aber es muss sachlich richtig sein, und hier sind viele sachliche Fehler geschehen!

Vielleicht hatte der Beitrag aber auch was Ggutes. Am Sonntag gegen Tübingen waren doch glatt wieder knapp über 2000 Zuschauer in Düsseldorf. Von den wenigen Zuschauern in Düsseldorf zu einem anderen, positiven Projekt. Dass Trier sportlich wieder in gutem Fahrwasser ist, ist die wohl begeisternste Entwicklung der Saison. Jung, hungrig, defensiv leidenschaftlich. Eine Mannschaft die Spaß macht. Luka Pavicevic sprach für den ganzen Club und wohl viele Berliner, als er nach dem Spiel sagte: „We are a fan of them“.

Überhaupt eine sehr sehenswerte Pressekonferenz.

Viel Vertrauen ging in Trier aber in der Offseason verloren, Hermelings juristische Schritte gegen ein Fanforum, die Unterschriftenfälschungsgerüchte. Beinahe hätte der Neustart schon einen Motorschaden vor dem Start in die Saison gehabt. Noch ist die Trierer Halle im Schnitt so leer, wie seit Jahren nicht mehr. Doch nun entwickelt sich in Trier das Projekt nicht nur auf dem Feld sondern auch Abseits des Feldes: PForsbergs Blog ist mittlerweile ein fester Leuchtturm in der BBL-Bloglandschaft, in dem hervorragenden Posting „Wie aus einem Traum erwacht“ bloggt er über sein Erleben der jungen Saison und der neu geweckten Euphorie:

[Man fühlt sich] wie am Ende eines bösen Traums in Trier. Mit jedem Spiel, in dem sich diese Truppe den Hintern aufreißt – mit jeder Aktion in der die Mannschaft näher an die Fans rückt – mit jedem Zuschauer mehr in der Arena und mit jedem, der sich wieder für eine Auswärtsfahrt anmeldet wächst das Gefühl, dass hier etwas Großes heranwächst.

Der Hochwald Frische Milchideen Livestream und die Videoberichterstattung von Chris Schmidt ist ebenso vorbildlich und nach Wackeln in der Offseason eine Institution. Und nun ein neuer Schritt in Sachen Zuschauergewinnung: Henrik Rödl fordert die Fans auf, TBB-Botschafter zu werden.

Das Konzept ist ergreifend einfach: Für Freunde kann man im Internet verkünstigte Tickets kaufen und wer pro Spiel, Monat oder Jahr am meisten neue Nasen in die Halle bringt, gewinnt. Wenn es aufgeht, gewinnen alle: Neue Zuschauer Leidenschaft am Basketball, alte Zuschauer das gute Gefühl, zum Erfolg des Projektes beizutragen und dafür Wertschätzung zu erfahren und der Verein wieder steigende Zuschauerzahlen.

Hier oder auf schoenen-dunk.de stellte ich kürzlich fest, dass die Zuschauerzahlen in dieser Liga ja diese Saison bislang gefallen sein. Ich muss das wohl relativieren. Denn aufgrund der „nur“ offiziell 8000 Zuschauer in der o2 world am vergangenen Dienstag schaute ich mal nach. Letzte Saison sah es z.B. bei ALBA in der Liga so früh in der Saison nicht anders aus. Dennoch fühlte es sich verdammt leer an. Hoffentlich bringt der neue Radiopartner Kiss FM neue, laute Zuschauer in die Halle. Die Show ist ja trotz aller Schwierigkeiten zumindest in den Highlights überzeugend ;-)

Heute Abend geht es in Berlin gegen die Düsseldorfer. „Everything you know in Basketball, you’ll meet in Beko BBL“, sagt Luka Pavicevic in der oben verlinkten Pressekonferenz. Nach strukturiertem Trierer Basketball kommt Trainerfuchs Didins latentes Chaos. Wieder ein anderer Stil, wie so oft in der Liga, eine ganz andere Mannschaft. Es ist eine Mannschaft, die ich von den Spielern her null auf dem Schirm habe. Es ist das Spiel einer starken Mannschaft gegen den Tabellenletzten. Es wird sicherlich nicht leicht, irgendwie sind Gegner gegen ALBA immer total motiviert. Aber ich hoffe einfach darauf, dass ALBA sich das gegen Trier, Ulm und Oldenburg die – trotz Highlightvideo – fehlende Sicherheit in die eigenen Offensivsysteme ein wenig erspielen kann.

Morgen im Fernsehen steht dann der Enervie Arena die Sport1-Feuertaufe bevor. Die Heimmannschaft braucht einen Sieg um nach dem furiosen Saisonauftakt als offensives Powerhouse der Liga (so der BBL-Vorbericht) weiter um einen Playoffplatz mitzukämpfen. Wie? Ihr kennt die Enervie Arena nicht? Das ist seit heute der neue Name der altehrwürdigen Ischelandhalle. Wieder wurde ein Stück vermarktbarer Tradition (checkt diesen Artikel) dem schnöden Mammon geopfert. Hätte Enervie Ischelandhalle es nicht auch getan?

Genug für heute, vor Spielbeginn wollen noch ein paar Definitionen in den Kopf geprügelt werden…

PS: Warum mir WordPress für diesen Beitrag Kathmandu, Octopus card, Laos und Nepal als Tags vorschlägt, ist mir ein Rätsel.

Und als Nachtrag natürlich unverzichbar. Auf fivemag.com gibt’s „Herber geht’s nicht“ zum immerwiederlesen.

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4 Gedanken zu „Rauschen im Blätterwald #55

  1. Pingback: Noch eine Woche Hauptrundenalltag | gruebelei.de

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