Game Fives Are Fun!

sagte Casey Jacobsen im Interview nach dem Spiel. ALBA gewinnt das Auswärtsspiel in Bonn und hat nun in eigener Halle am Donnerstag die Chance auf den Finaleinzug. Leere Gesichter in Bonn. In der ersten Halbzeit hat er sich wohl noch versteckt, aber in der zweiten war er ganz sichtbar, der Herr Angst.

Auch wenn Casey vielleicht nicht die ganze Saison auf dem Feld so war, wie wir ihn uns gewünscht hätten, Caseys Interviews sind seit der Preseason einfach klasse. Ein Journalist meinte mal „Casey spielt mit dem Mikrofon und was er sagt, das hat Substanz.“ Und Substanz hatte heute auch das, was er auf dem Feld zeigte. Bamberger Defense und offensive Akzente. Der erste Berliner, der zweistellig war. Trocken kommentierte er gegenüber Sven Simon, dass das heute mit Offense nichts zu tun hatte, sondern der guten Berliner Defense geschuldet gewesen wäre. 12p 5r stehen auf dem Statistikbogen. Nur Julius Jenkins hat mit wichtigen Punkten mehr vorzuweisen: 14p, 4r, 6ass. Das ist ein starkes Paket, das die vier Turnover vergessen macht.

ALBA Berlin tritt wieder als Mannschaft auf, auch wenns heute keine Minuten für Herber oder Zwiener gab. Dafür haben wir unseren Dragan Dojcin. Kaum ein Spieler sitzt weite Teile der Saison so ruhig auf der Bank und ist sich für nichts zu schade, um dann in den Playoffs 110% da zu sein. Gerade defensiv macht er einen Unterschied. Ansu Sesay ist spektakulär. Dojcin effektiv. Fast könnte man vermuten, dass die Wende dadurch kam, dass Patrick Femerling wieder mit auf der Bank ist. Unermüdlich trieb er das Team an und war sich auch für Wortgefechte mit den Refs nicht zu schade. Respekt hat der Rekordnationalspieler. Dass es am Ende am Mittelkreis zu einem Ansatz der Rudelbildung kam, darüber hüllen wir mal den Mantel des Schweigens. Feuer haben Playoffserien gegen Bonn. Da wird mir wohl auch jeder Bamberger zustimmen.

Was hat heute bei Bonn nicht geklappt? Den Bonnern fehlt gegen die Euroleague-Defense von ALBA ein Kopf. Strasser hat oft einen guten Job gemacht, nimmt sich selbst aber mit Fousl zu leicht aus dem Spiel und war heute – anders als am Anfang der Serie – offensiv kein x-Faktor. Und dann ist da eben EJ Rowland. Er entwickelt sich mehr und mehr zu einem ball hog. Das high scoring, das in der Hauptrunde immer mal zu sehen war, gibt es gegen die Berliner Defense nicht (mehr). Wahrscheinlich täuschte dies darüber weg, dass er als Organisator schwach ist. Stattdessen Festdribbeln, Unschlüssig rumstehen. Klar ist es schwer gegen Berliner deny defense gut auszusehen, aber er ließ sich auch sichtlich beeindrucken. Im Fernsehen sah man gut, wie leer sein Blick war. Herr Angst ist bei ihm zu Besuch.

Ich glaube nach vier Spielen kann man konstatieren, dass Brandon Bowman auf der Vier das Duell der shooting Powerforwards gegen Ansu Sesay gewonnen hat. Er ist gut, verdammt gut. Tolle Steals, oft auch schöne Defense und anders als Sesay ein conscienceless shooter. Er gefällt mir besser und besser. Bevor hier Wünsche aufkommen: Die Statistik spricht eine ganz andere Sprache. Ansu war auch heute der bessere Rebounder und über die Saison ein gnadenlos guter Schütze mit 49,5 % 3er-Quote.

Mit Frazier, Yarbrough und Bowman hat Bonn wirklich ein gutes Trio. Da ist Klasse und Substanz hinter. Unter den Brettern sah man heute zwar Anfangs ein Blockfestival, doch dies würde wohl auf europäischem Parkett selten so wenig gepfiffen werden. Bowler hat trotz seiner Physis gutes Tempo, aber ist doch limitiert. Und auch die anderen Langen verdecken Schwächen der Teamdefense gerne mal durch den Last Minute Block. Wie war das gleich? Ein Block ist nur das letzte Mittel? Immer wieder merkte man, dass die Bonner Mannschaft es eben nicht schaffte, das Berliner Pick and Roll zu verteidigen und Chubb, Nadjfeji und Sekulic sehr einfache Punkte machen konnten.

In der ersten Hälfte war Bonn noch wach. Gut dabei und dann zur Halbzeit auch verdient in Führung. Es erinnerte mich eher an die ersten beiden Spiele der Serie. Doch das dritte Viertel war wie Spiel drei. ALBA war gut. Sehr gut. Ein Feldkorb der Bonner in acht Minuten. Das ist hammerharte Defense.

Ich glaube wirklich, dass Game Five Fun wird. Sicherich kein leichtes Spiel. Bonn ist keine Mannschaft, die sich aufgibt. Koch ein Trainer, der seine Jungs motivieren kann. Aber ALBA rollt. Sie werden vielleicht offensiv nicht wie Allstars spielen können. Aber getragen von über 14.000 Fans (wettet jemand dagegen?) in der Halle werden sie verteidigen wie Champions. Wenn Bamberg schon draußen ist, so bringen Casey und Steffi zumindest einen Hauch Bamberger Betondefense mit. Dennoch beende ich diesen Blogpost mit einem anderen Zitat von Casey:

„We have to stay humble.“

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3 Gedanken zu „Game Fives Are Fun!

  1. „Wenn Bamberg schon draußen ist, so bringen Casey und Steffi zumindest einen Hauch Bamberger Betondefense mit.“

    Das mir sowas mal gefallen würde, aber ich kann jeden Bamberger verstehen, sowas ist einfach auch geil anzuschauen.

  2. Dummerweise spielen Casey und Steffi für den (geliebten) Erzfeind. Was wäre wenn Brose beide in dieser Saison gehabt hätten? Finale? Garantiert.

    Glückwunsch an Alba, habe nie gedacht dass es noch ein fünftes Spiel gibt.

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