Von Endspielen und Nischensport

Liebe EWE-Baskets. Als ich eben euren Tweet las, musste ich schmunzeln. EWE_Baskets twitterte:

Was machen wir eigentlich falsch, dass uns Leute fragen, wann DAS Endspiel stattfindet? Basketball hat noch ein wenig Nachholbedarf…

Wie? Im Basketball gibt es kein Endspiel? Genau. Stattdessen gibts Playoffs, eine Ausscheidungsrunde mit dem Prinzip Best of Five. ALBA kennt das Problem seit Jahren und hat da schon Strategien in der Öffentlichkeitsarbeit. Basketball-Alleswisser Konstantin Lwowsky hat dies diese Saison auf radioein schön in „BBB – Basketball-Begriffe begreifen“ erklärt. Wenn ich mit Freunden über Basketball rede, dann merke ich immer wieder: Da ist – anders als bei Fußball – fast nichts an Vorkenntnissen da.

Hier der Beitrag zum Begriff Playoffs: Playoffs – erklärt von Radio Eins

Oldenburg darf dank einer tollen Saison nun mit dem Finaleinzug auch überregionales Medieninteresse genießen. Gut, dass die Donnervögel erleben, dass es um unsere Sportart längst nicht so gut bestellt ist. Denn der angemahnte Nachholbedarf ist vor allem die Aufgabe der Basketball-Flaggschiffe, des DBB, der BBL und aller BBL-Clubs. Weniger Selbstbeschäftigung mit Wechselspielen und Lizenzfragen. Mehr Werbung für den Sport, das wäre ein Anfang. Jay Thomas, Maurice Stuckey und die neue Tabellenregelung sind gerade die Headlines auf der Webseite der BBL, während ich dies hier tippe. Was ist wichtig? Einer von hunderten Spielertransfers oder das anstehende Finale und die Highlights der bisherigen Serien?

Vielleicht werden die Oldenburger auch erfahren müssen, dass neben den langfristigen Verträgen mit den Stars (das macht Oldenburg ja gut) auch der eine oder andere spielende deutsche Spieler ein Leckerli für die Medien sein kann. Mal sehen ob noch ein  Tweet „Warum fragen uns die ganzen Journalisten, wer denn unser deutscher Nationalspieler ist?“ kommt. ;-)

Im Netz sind die EWE Baskets schon ziemlich klasse. Ich hab immer wieder Spaß.  Wenn sie jetzt auch noch für mehr Medienpräsenz und „Basketball erklären“  rödeln, bin ich happy. Denn auch wenn ich hier pöbele, ist alleine die Tatsache löblich, dass sie offen das Problem kommunizieren, dass Leute glauben, es gäbe ein „Endspiel“. Wollen wir unseren Lieblingssport pushen, sollten wir uns die Situation nicht schön reden.

Es hat zwar auch viel mit der Verwertungslogik der Medien zu tun, wenn über eine Clubinsolvenz mehr gedruckt wird, als über eine tolle Playoffserie. Aber vielleicht auch damit, dass noch immer eine Menge Grundlagenarbeit nötig ist, um die Attraktivität und die Besonderheiten unseres Sports der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Auch, um zu erklären, wie Basketball funktioniert, wäre  Free-TV – auch wenn’s vielleicht zunächst kostet – gut für den Sport. Doch eines sollte man nicht vergessen: Die allerbesten Multiplikatoren unseres Nischensports sind noch immer alle Beteiligten einer  breit gestreuten Nachwuchsarbeit. Jeder der mal selbst gespielt hat, erreicht Freunde und Familie und kann über Basketball schwärmen und die Besonderheiten erklären.

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2 Gedanken zu „Von Endspielen und Nischensport

  1. Re: „Auch, um zu erklären, wie Basketball funktioniert, wäre Free-TV – auch wenn’s vielleicht zunächst kostet – gut für den Sport.“

    Aber nicht um jeden Preis. Die BBL-Berichterstattung in den letzten Jahren des DSF-Vertrages war schlecht (und wenn ich mich richtig erinnere, von der BBL bezahlt gewesen) und die Zuschauerzahlen sehr mau. PREMIERE ist es mit aufwändiger Berichterstattung und einem exzellenten Sendeplatz (direkt im Anschluß an die Samstags-Bundesliga-Zusammenfassung auf dem gleichen Kanal) gelungen fast auf die gleichen Zuschauerzahlen zu kommen (beispielsweise 100.000 Zuschauer am 5ten Spieltag 2004/05 für Bonn-ALBA, 80.000 im Schnitt im November 2004).

    Letztendlich gab es dann aber zwei KOs: die Umstrukturierungen bei PREMIERE mit dem Sportportal schmiß die BBL aus dem „Audience flow“ raus, konnte nicht mehr von den Zuschauer der Fußball-Bundesligazusammenfassung profitieren (der Zuschauerschnitt rutschte in der Saison 05/06 auf 15.000 runter) und schließlich die Beendigung des Vertrages zwischen BBL und PREMIERE zugunsten des Experimentes sportdigital.tv.

    Die Lehre aus der DSF/PREMIERE-Geschichte: es kommt nicht darauf an um jeden Preis sich im Free-TV einzukaufen, sondern ein attraktives Programmumfeld zu bekommen.

    • Danke für interessante Hintergrundinfos. Die Zahlen der alten Deals sind ja weitgehend in Vergessenheit geraten.

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