Mehr als Quotendeutsche?

Für die Fans deutscher Basketballspieler gab es in den letzten Tagen gleich mehrere positive Meldungen. Mit Seggelke und Schaffartzik wurden zwei fast schon spektakuläre Verpflichtungen bekannt gegeben und das DBB Journal titelt: Okulaja kommt zurück. Überhaupt ist schon jetzt erstaunlich viel Bewegung im Markt der deutschen Spieler. Sagt uns das schon irgendetwas über die Folgen der nunmehr auf 8+4 gestiegenen Quote?

(Neu-)A-Nationalspieler Heiko Schaffartzik wird der startende Pointguard bei den NewYorker Phantoms. Sie jubeln laut! Der erste A-Nationalspieler seit Oliver Braun in der Stadt an der Oker.  Einen Effekt von (deutschen) Nationalspielern sieht man schon nach nur einer Woche: Der „eigene“ Nationalspieler wird in der Lokalpresse gefeatured. Es ist ein Argument für die Verpflichtung deutscher Nationalspieler.

Die Dragons lösen sich vom in der Liga vorherrschenden „Nachwuchs auf die Bank“-Prinzip. Zwei gestandene Ergänzungsspieler mit deutschem Pass wandern ins Dorf. Seggelke wird ein Drache – trotz 5-Jahres-Vertrag in Jena. Auch Fantasy-Game Hype Flo Hartenstein bleibt erstklassig bei den Drachen. Beides Spieler, die locker für ein paar Minuten in der BBL gut sind. Keine Nationalspieler, keine Leistungsträger, aber immerhin spielende Deutsche und keine 17jährigen Busfahrer.

Was der unsanfte Abschied eines deutschen Nationalspielers ausmacht, das erleben gerade die Brose Baskets. Ademola Okulaja wird gegangen. Und es ging ein Rauschen durch die Printmedien. Keine gute Presse für Bamberg: Ahlender Zeitung, Nürnberger Abendzeitung, Frankfurter-Rundschau, KA-News, Ruhr-Nachrichten, Sportal. Das ist nur ne Auswahl… der wohl in Anbetracht der sportlichen Leistung der letzten Jahre und der langen Ligazugehörigkeit nicht minder spektakuläre Abschied von Jeff Gibbs aus Ulm, wird weniger beachtet.  Hier trennen sich Welten: Kündigung per Brief in Bamberg. In Ulm gibt es zum Abschied eine sicherlich ernst gemeinte, ultimative Lobhudelei.

Frankfurt holt Nolte aus Paderborn (via frblog). Sicher wird der Kämpfer nicht so viele Minuten bekommen, aber auch wieder ein Spieler, der sicherlich Teil der Rotation werden wird. Sie erwarten Stabilität und gute Minuten vom BackUp auf der Centerposition.

Werden jetzt hier die Rotationen tiefer oder sind diese frühen Verpflichtungen deutscher Spieler einfach die Jagd nach dem besten Preis-/Leistungsverhältnis in zeiten der Quote? Denn auffällig ist eines: Der einzige bislang neuverpflichtete Nationalspieler ist Heiko Schaffarzik in Braunschweig. Sind Nationalspieler den Clubs zu teuer? Gerade wenn die Preise für US-Stars in Anbetracht der Marktlage angeblich fallen sollen?

Von den teils ehemaligen „Stars“ der Nationalmannschaft, Jagla, Femerling und Schultze hört man noch nichts. Auch ein Mithat Demirel dürfte ja noch spielen. Steven Arigbabu? Vielleicht auch, letzte Saison spielte er jedenfalls.

Laut Userpostings auf schoenen-dunk will Bamberg bei Demond Greene den Preis drücken und hat ein sehr niedriges Angebot auf den Tisch gelegt. Dass sich Berlin und Femerling zwar seit Monaten verhandeln, aber keine Einigung zu vermelden ist, könnte ähnliche Gründe haben. Sven Schultze mokierte sich auf BBL.TV jüngst darüber, dass er noch nie ein ernstzunehmendes Angebot aus der BBL hatte. Sind diese Spieler alle zu teuer für die BBL?

Für Clubs wie Paderborn sicherlich: Huelsewede, Lieneke kommen, Co-Trainer wird der NBBL-Coach. Wer wenig Geld hat, setzt bei der Quote auf den Nachwuchs. Ob die Rechnung aufgehen wird und die NBBL-Youngster wirklich spielen werden?

Bleibt Oldenburg seiner Linie treu und füllt die Quote mit Nachwuchs oder leisten sie sich auch mal nen Nationalspieler? Einer scheint jedenfalls gegenwärtig ganz heiß umworben zu werden: ALBAs Bankdrücker Philip Zwiener. Erst wie schon geposted lautes Interesse aus Paderborn und nun meldet die Sport Bild, dass Ludwigsburg an ihm dran ist. Einzelne Deutsche mit dem Stempel A-Nationalmannschaft und der Qualität für Minuten scheinen interessant zu sein. Mal sehen, wer aus Bauermanns 20er Kader noch so in die BBL wechselt.

Aus der zweiten Liga wird A2-Spieler Khartchenkov zum MBC stoßen. Natürlich gibt es auch einige Abgänge in die unteren Klassen: Stefan Fahrad, Emeka Erega, Carl Mbassa, Robert Maras. Aber – das sieht man auch in jeder Kaderdebatte auf schoenen-dunk – schon die 4-8-Quote der kommenden Saison verändert die Mannschaftszusammensetzungen und Verpflichtungspraxis der Clubs. Ob sie spielen werden und mehr als Quotendeutsche sein werden, das können wir dann nach dem 10 Spieltag, in der Adventszeit überprüfen.

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6 Gedanken zu „Mehr als Quotendeutsche?

  1. Es ist zu hoffen bzw. zu wünschen dass zumindest die Hälfte der deutschen Spieler in der BBL keine Quotendeutsche bleiben. Egal um welchen BBL-Verein es geht, setzt bitte die deutschen Spieler ein und nicht nur auf die Bank.

    Doch ich befürchte, die Realität wird sein – vermehrte Bankdrücker.

  2. Bekannte deutsche Spieler a la Femerling, Jagla oder Schultze ( zT mit internationaler Arbeitserfahrung) wollen sicher gern in ihren Verträgen zu stehen haben, dass sie nicht nur ihr monatliches Gehalt bekommen, sondern auch gewisse Minuten auf dem Parkett verbringen.
    Nur werden sich BBL-Trainer schon darüber Gedanken machen, ob diese Spieler dann auch das richtige Potential haben, um in einer von amerikanischen Spielertypen dominierten Liga vernünftig spielen zu können.

    Femerling würde es packen, aber ein Jagla ist bspw. zwar ein Endlos-Werfer, wäre aber nicht immer im „deutschen Spielsystem“ unterzubringen.

    Am Rande an den gruebler:

    Schau doch mal, was dem Niggemeier-blog passiert ist, nicht dass du hier auch unerlaubtwerweise Daten erhebst, ohne dass der User dir dafür eine Einwilligung erteilt hat.

  3. Pingback: Von Quotendeutschen zu home-grown players « Grübelei – Ansichten eines Basketballfans

  4. Moin Grübler,
    lese hier schon lange und finds wunderbar! ;-)
    Wie Du bereits oben schreibst
    „….schon die 4-8-Quote der kommenden Saison verändert die Mannschaftszusammensetzungen und Verpflichtungspraxis der Clubs.“
    Also ändert sich zumindest schon mal feststellbar etwas. Da die Änderung nicht in die Richtung „mehr Amerikaner“ gehen kann… kann sie doch nur in die richtige Richtung gehen.
    Clubs, die sich keine gestandenen deutschen „spielenden“ Spieler leisten können werden praktisch zur Ausbildungsstätte für die Clubs mit dem nötigen Kleingeld – die kein großes Risiko eingehen wollen.
    Der eine oder andere „Risikodeutsche“ wird sich im kleineren Club beweisen und damit in 1-2 Jahren zum gestandenen Deutschen – der dann wiederum auch für die flüssigeren Clubs interessant wird.
    Wie ich finde eine ziemlich logische Angelegenheit.
    Wenn ich dann noch den vorläufigen Kader des A-Teams sehe… imho läuft vieles in die richtige Richtung!

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