Der Nachwuchs als Krisenprofiteur?

Schaut man sich die Aussagen von Trainern und Managern der kleineren Clubs der Liga an, dann kann man – mit etwas wohlwollen – eine Veränderung feststellen. Die Zahl der zu verpflichtenden ausländischen Profis wird freiwillig eingeschränkt. Ist dies ein neuer Trend?

Ganz offen erklären dies nun die Paderborn Baskets. Sie wollen ein Team bauen, dass die 6+6 Quote (freiwillig) erfüllt. Coach Stolz will nur 6 Amerikaner:

„Wir werden gegenüber den Vorserien unsere Ausrichtung ändern“, betonte der Spradley-Nachfolger. Die Mannschaft solle ein anderes Gesicht bekommen. Stolz räumte ein, dass dieser Weg beschwerlich werden könne. Allerdings müsse langfristig gedacht werden. „Wenn wird uns auf Dauer in der Liga etablieren wollen, geht das auch mit jungen deutschen Akteuren“

Es wäre die erste freiwillige Umsetzung einer 6+6 Quote in der Liga – vielleicht auch vor dem Hintergrund finanzieller Möglichkeiten. Letzte Saison war dies lediglich zeitweise in Gießen zu erleben.

Köln scheint ja auch in der BBL anzutreten, falls die Liga ihre Unterlagen akzeptiert. Dort wurde schon seit langem angekündigt, dass das Team Germany aus wenigstens acht deutschen Spielern bestehen soll.

Von nächster Saison an sollen mindestens acht Deutsche im Kader stehen und nur von drei oder vier ausländischen Profis verstärkt werden. (Spiegel.de)

Und dank waskommtnachDirk.de gibt es auch ein gutes Videointerview mit Stephan Baeck zum „Umdenken“ auf YouTube.

Ich bin gespannt, wer bei Köln auf dem Zettel steht. Für etliche Nachwuchsnationalspieler dürfte diese Mannschaft ein attraktiver Standort sein. Es könnte erklären, warum man aus diesem Spielerpool bislang kaum Neuverpflichtungen hört. Ich wäre schon neugierig, wer in Köln auf dem Zettel steht und sehnlich auf das grüne Licht der BBL wartet.

Auch in Tübingen kann man mal abwarten, was da geschieht. Die letzte Pressemeldung erklärte, dass Pirmin Unger Teil eines 10er-Kaders werden soll. Wird die Quote in dem 10er-Kader erfüllt? Auch das wäre eine faktische Umsetzung einer 6+6 Quote (bzw. der Bauermannschen 6+4-Quote) Und nach der Verpflichtung von A2-Nationalspieler Khartchenkov und der Ankündigung einer engen Kooperation mit ProA-Ligist Jena (Pressemitteilung) verdient auch der Mitteldeutsche BC Aufmerksamkeit in dieser Frage.

Gemeinsam haben alle diese Teams, dass sie mit sehr kleinen Etats auflaufen und in der Offseason Probleme hatten, die Lizenzauflagen der Liga zu erfüllen bzw. über einen freiwilligen Rückzug oder Nichtantritt nachdachten. Ich weiß nicht, was die Nachwuchsspieler und A2-Nationalspieler, auf die diese Clubs nun teilweise vertrauen, verdienen. Es scheint aber so, als hielten sie diesen Weg für erfolgsversprechender im Kampf um den Klassenerhalt als die Verpflichtung möglichst vieler preiswerter Collegeguys.

Auch Hagen vermeldet, dass viele deutsche Spieler im Kader stehen werden. Zählt man jedoch im Detail durch, sieht man, dass die 8 Ausländerplätze wohl ausgeschöpft werden.

Und das Positive: Selbst wenn gegen den Abstieg gespielt wird, so ist das Vertrauen auf home-grown players kein Nachteil, wenn – wie sich abzeichnet – die Konkurrenten den gleichen Weg beschreiten. Die Eigendynamik der Liga, das „wir müssen gewinnen und verpflichten daher auch nur Amis“ wird so ein wenig durchbrochen. Ich würde mir wünschen, dass diese ersten vorsichtigen Signale nicht nur Lippenbekenntnisse sind, sondern so auch durchgezogen werden, wenn es ein paar Niederlagen hagelt.

Doch auch im wirtschaftlichen Mittelfeld der Liga gibt es Bewegung. Vorsichtige Töne in Richtung eines freiwilligen Verzichts auf die Maximalzahl von 8 ausländischen Profis gab es ja auch schon aus Braunschweig. Und auch Tolga Öngören möchte mit Ludwigsburg in der kommenden Saison beweisen, dass es die Spieler für eine 6+6 Quote schon jetzt gibt.

Der Blick in die Zukunft ist für den einheimischen Nachwuchs daher zumindest an einigen Standorten längst nicht so düster, wie er manchmal geredet wird. Dass es letzte Saison ein Rückschritt war, steht allerdings auch fest. Doch ganz zaghaft trägt das Umdenken Früchte.

Gehen diese Konzepte auch nur teilweise auf, so bleibt zu hoffen, dass sich die Mehrheiten in der Ligaversammlung in der Frage der Quote langfristig ändern.

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2 Gedanken zu „Der Nachwuchs als Krisenprofiteur?

  1. Wobei es doch sehr merkwürdig ist, dass ausgerechnet die finanziellen schwachen Vereine eher auf nicht so viele Ausländer setzen wollen. Es heißt doch immer das gerade die Ausländer so günstig sind und die Deutschen so teuer. Da müssten doch eigentlich besonders die Vereine mit wenig Geld, eher auf die maximal Anzahl von 8 Ausländern setzen?

    Mal sehen wie das am Anfang der neuen Saison dann wirklich aussieht. Ich bin gespannt wie viele Vereine nicht mit 8 Ausländern in die Saison starten.

  2. Hier muß ich Widerspruch einlegen!
    Gießen hat die ganze Saison mit 5 + 6 gespielt. Also 5 Amis und 6 Deutsche! Außer im letzten Spiel da durften es noch ein paar Gnadenminuten für unseren Langzeitverletzten Österreicher sein. Das macht dann für ein Spiel 6 + 6.
    Also gab es bereits ein Team das genau diese Quote bereits über eine volle Saison gebracht hat! Nur weil man nicht jeden Tag lautes Gegacker aus Mittelhessen darüber hörte, war es doch ganz genauso. Interessiert hat es leider niemanden, gelobt hat Gießen auch niemand und auch Herr Bauermann lies sich nicht blicken wie andernorts regelmäßig ;-) .

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