Wenn Dragonfans anwesend sind…

…dann kann ALBA wichtige Spiele gegen Bonn gewinnen. Das war letztes Jahr beim Finale schon so und gestern auch wieder. Als ich vor Spielbeginn am Bierstand war und vor mir zwei Fans der Dragons in voller Montur standen, keimte erstmals sowas wie Hoffnung auf. Es war ein besonderes Spiel, mit dem ALBA gestern den ersten von zwei Bonner Matchbällen abwehrte. Und wie sie das taten: 65:39 ist eine Demonstration der Stärke.

Danke Dragons. Dafür, dass ihr uns in Berlin unterstützt und dass es in dieser Liga so eine schöne Fanfreundschaft gibt. Kommt wieder! Ihr seid immer gerne gesehe Gäste.

Auch wenn in den Nachwehen des Spiels unschöne Streitigkeiten über Effe-Finger und Frustabbau in den Foren ausgetragen werden, so gilt dem großen Bonner Fanblock doch zuallererst Respekt. Was die Bonner Fans in den Auswärtshallen zeigen, das ist schon klasse. Mit Ohrenschmerzen erinnere ich mich daran, wie sich – in den 90ern in Braunschweig – die Bonner Holzbretter als Klatschkraftverstärker an die Hände schnallten. Und gestern konnten wir – wenigstens die ersten 15 Minuten oder so – den wohl bestchoreographierten Auswärtsfanblock der Liga sehen. Arme über Kopf, Klatschen und erhebliche Stimmkraft. Es war wirklich schön anzusehen.

Doch auch wenn der Auswärtssupport der Bonner gut war, ihre Mannschaft sah kein Land. ALBA Berlin zeigte endlich (!) Playoffform. Nach etwas holprigem Start legten sich die Albatrosse als Mannschaft ins Zeug. Defensiv war das, was gestern in der o2-world zu sehen war, europäische Spitzenklasse. Es war deny defense vom Feinsten. Dass EJ Rowland mehr als nur einmal hilflos einen seiner Mitspieler suchte, muss man ihm nicht alleine ankreiden. Fast jede defensive Rotation ALBAs klappte und die nötige Intensität war da. Das war sie auch bei Bonn, denn Berlin bei 65 Punkten zu halten, das ist nicht schlecht. Allerdings hat gerade Rashad Wright das Spiel, als erst einmal die Führung herausgespielt war, bewusst langsam gemacht. Alba traf 50% 3er. Extreme Quoten? Natürlich ist das gut, aber ALBA hat gar nicht so viel geworfen. 16 Versuche aus der Ferne.

Endlich übernahm die ganze Mannschaft Verantwortung und verließ sich nicht nur auf Julius Jenkins. Steffen Hamann war der erste mit schönem Drive und tollen Pässen. Casey Jacobsen mit einem „hallo wach“-Dunking mit am Arm hängenden Gegenspieler und seinem signature-3pt direkt hinterher. Aber mein x-Faktor des Tages war Dragan Dojcin. Einfachste Penetrations aus dem Highpost, aber sechs schnelle und ganz wichtige Punkte in Folge. Das war super. Und als Pista einen 3er traf, sollte jedem klar gewesen sein: Das lässt sich ALBA heute nicht mehr nehmen.

Mit fast 12 Minuten bekam auch Philipp Zwiener verdammt viel Spielzeit. Nötige Pausen für Casey Jacobsen. Solides Spiel gegen Vince Yarbrough. Hätte ich nach den zuletzt gesehenen Leistungen so nicht erwartet. Offensiv ein paar Fouls gezogen. Genau diese Rollenspieler-Rolle hätte ich diese Saison gerne öfter gesehen. Aber vielleicht hat Luka ja eingesehen, dass sein System mental von fast keinem Spieler für mehr als 30 Minuten durchzuhalten ist. Doch kein zu früher Jubel: Es war gestern auch „nur“ die zuletzt übliche 10er Rotation. Herber bekam lediglich Garbagetime, als die Bonner arg angeschlagen waren.

Das Auffälligste war, dass ALBA bis zum letzten Angriff durchgehalten, niemals die Intensität verloren hat. Es war das perfekte Comeback-Spiel: Der Gegner wurde mit fürchterlichem Ergebnis aus der Halle gefegt. @guwacevic beschreibt den psychologischen Effekt auf schoenen-dunk wie folgt:

„Und bei der Rückfahrt sitzt einer mehr im Bonner Bus: Sein Name ist Angst. Herr Angst. Der gleiche Herr Angst, der Mittwoch im Bus nach Berlin sitzen wird.“

Die Albatrosse wissen jetzt wieder, dass sie Bonn schlagen können. Sie haben erlebt, dass es zuforderst ihre Verteidigung ist, die den Gegner zermürbt. Bonn ist in der Transitiondefense nicht besonders gut. Hack-the-Albatross geht nicht im Fastbreak, da droht sonst das unsportliche Foul. Es war gestern kein schlechtes Spiel von Bonn. Ich bin gespannt, ob die Bonner nun zu denken beginnen und der eine oder andere Spieler am Dienstag verkrampft in Einzelaktionen verfällt. Oder ob sie es schaffen, wieder den Ritt auf Messers Schneide zwischen unsportlicher und harter Defense mit Bravour auf das Parkett zu bringen, wie in den ersten beiden Spielen. Damit haben Sie ALBA zweimal aus dem Konzept gebracht.  Als leidenschaftliche Mannschaft ist Bonn gut. ALBA hat gestern das beste Saisonspiel gezeigt, sie selbst haben – so Mike Koch – „um einige Klassen besser verteidigt“. Es war vielleicht das erste Ligaspiel, bei dem die Halle wirklich lebte, es erinnerte mich an den Überraschungssieg gegen Rom. Unsere Sitzfanblöcke 204, 205 standen gute 25 Minuten. Der Hallensprecher und die Musik waren kaum mehr zu hören. Endlich wieder taube Ohren. Endlich wieder uneingeschränkte Begeisterung. Danke Refs, dass ihr fast eine Halbzeit brauchtet, um eine Linie zu finden. Das hat es uns auf den Tribünen leichter gemacht.

Und wenn’s in Bonn nicht klappt? Dann war’s ein würdiger Abschied von den Fans. Aber davon ging gestern nach dem Spiel kaum einer auf der Tribüne aus: „Bis Donnerstag“ lautete der Abschiedsgruß.

Was sagen die anderen?

Morgenpost mit Steffen Hamann: „Es war nur ein Sieg, aber wir atmen noch.“ Das „Wir atmen noch“ schreibt die dpa (hier in der Süddeutschen) übrigens Henning Harnisch zu. Alba spielt sich frei, meint der Tagesspiegel.

Multimediales: RadioEins-Spielbericht,Die Videos auf ALBAs Webseite.Der Spielbericht in den Tagesthemen

Und eine Geschichte der etwas anderen Art gibt es in der BZ aus der Feder von Flo Witte. Der schreibt darüber, dass wenn Luka nach einem Halbfinalaus gegangen wird, Mike Koch sein Nachfolger werden könnte. Großartig… Glaubt das wirklich jemand?

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4 Gedanken zu „Wenn Dragonfans anwesend sind…

  1. Darf man fragen welche Leistungen zu von Zwiener zuletzt gesehen hast, so dass du jetzt etwas überrascht wurdest? ;-) Für fast eine ganze Saison ohne jegliche Spielpraxis war das gestern doch sehr brauchbar.
    Aber was denkt sich eigentlich ein Herber, jetzt?

    • Zwiener hat doch in immerhin sieben Heimspielen gespielt ;-) Und da blieben mir ein paar ungeschickte Aktionen in der D in Erinnerung. Warum er und nicht Herber randurfte? Ich würd es einfach darauf schieben, dass er defensiv gegen Yarbrough und King (?) wohl einfach besser passte. Entscheidende vier Zentimeter?

  2. Und wir häufig von den 7 Spielen spielte er nur in der „garbage time“? Man kann daraus lernen, dass Auftritte über 2 bis 3 Minuten sehr wenig über das können eines Spielers aussagen müssen. Da wäre man fast schon wieder bei der Quote. ;-)

    Und für den Vorzug von Zwiener gibt es viele gute, zwar nicht Luka typische“, logische Gründe, aber trotzdem wird ein Herber sich seinen Teil dazu vermutlich denken. Herber wird wissen, dass die gegnerischen Spieler nur sehr selten zu 100% zu ihm passen…

  3. also das mit dem besseren matchup gegenüber Yarbrough und King trau ich sogar dem Luka als logischen Grund zu. ;)

    in der ersten Hälfte konnte man Zwiener die fehlende Praxis durchaus anmerken. In ein, zwei Situationen kam er bei der Rotation in der Verteidigung schon arg ins Schwimmen. Aber im Laufe der Partie hat er sich dann gefangen.

    Herber wird mit dem Kopf ganz bei der Mannschaft sein bzw. sich für Zwiener freuen. Über seine Einsatzzeit und das Vertrauen seines Coaches hat er ja nun schon die ganze Saison lang grübeln dürfen, da wird ihn das jetzt auch nicht nochmal extra knicken.

    so erfreulich es ist, zu sehen, dass LP auch mal anders kann, so ärgerlich ist es dennoch, dass er erst in ausweglosen Situationen auf die Alternativen zurückgreift. Bleibt also nur zu hoffen, dass dieser Sinneswandel ein nachhaltiger ist und vor allem, dass er nicht zu spät kam.

    Die Reaktion der Mannschaft war klasse und genau das, worauf jeder die ganzen playoffs über sehnsüchtig gewartet hat. Aber noch lange kein Grund jetzt wieder die alte Selbstverständlichkeit des überlegenen Favoriten an den Tag zu legen. Am Dienstag (Donnerstag) muss sich die Mannschaft erneut beweisen, dass sie das Zeug zum Champion hat.

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