Der Sprung in die Offseason – Trainer, Fernsehen, Europa und das Netz (mit Mini-Interview)

Nach der tollen Saison in Berlin hat jetzt das große Nichts der Offseason begonnen und mit ihr das große Zittern. Bereits während der Finals gab es Gerüchte die Brösels würden an Sasa Obradovic baggern. Das ist ja noch mal gut gegangen, hat Stoschek sich doch für den Italiener Trincheri entschieden. Dennoch: Heute in einer Woche endet wohl der Vertrag des Berliner Trainers und so richtig wissen, wie es weitergeht, das tun wir nicht. Vage sind die Pressemeldungen wie so vieles in der Offseason. Warum es überhaupt zu einer solchen Phase der Unsicherheit kommt, dürfen sich Marco Baldi und Mithat Demirel fragen lassen. Es wäre äußerst bedauerlich, wenn jetzt, nachdem sich eine Mannschaft gefunden hat, der nächste Umbruch ansteht. 

Dies gilt zumal Berlin doch irgendwie wieder ein Profil gefunden hat. Und nächste Saison könnten wir dank des neuen Medienrechtepakets der Liga mit der Telekom dann tatsächlich auch mal jedes Auswärtsspiel sehen. Gut, es steckt wohl hinter einer Bezahlwand, die aber für Telekomkunden durchlässig sein soll. Ein paar Fragen sind da sicherlich noch offen, ein kritischer Retweet brachte gleich den Busch auf den Plan, der belehren wollte. Ach ja, Missverständnisse in 140 Zeichen. Ich finde den Deal grundsätzlich gut, endlich gibt es Bilder von jedem Spiel in gleich hoher Qualität. Die Details wird man abwarten müssen, ob es nun um die Qualität des Streams geht, die Zugangsrechte oder eben die geplanten 50 Spiele im Free-TV. Da hat die Liga gegenwärtig noch eine offene Flanke. Hier gilt es aber schlicht abwarten. 

Da sich aber anlässlich des Offseasonbeginns die Möglichkeit einer Nachfrage bei dem Geschäftsführer bot, nutzte ich sie für zwei Themen, die zumindest mir nach dieser Saison auf den Nägeln brannten.

Gruebler:  “2020 will die BBL die beste Liga in Europa sein. Doch europäische Erfolge deutscher Teams bleiben rar und auf den Setzlisten von Jordi Bertomeau läuft Deutschland unter ferner liefen. Nach tollen 7 Startern in Europa in letzten Jahr wird der Eurocup kleiner: Ist es der Liga gelungen, trotzdem die Zahl der Starter zu halten? Wann kommt endlich ein “echter” EL-Platz für den Vize?

 

Jan Pommer: „Die Entscheidungen darüber fallen in den nächsten Tagen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre sind wir aber optimistisch, ähnlich viele Startplätze zu haben. Wie diese sich dann verteilen, wird sich zeigen.“

 

Gruebler: Und nach dem Desaster 2013: Haben wir in diesem Sommer wirklich eine funktionierende Webseite mit echten Stats?

 

Jan Pommer: „Das ist unser festes Ziel. Wir wissen, dass wir nicht den gewohnten Service bieten konnten – und das war schlecht. Insofern arbeiten wir mit unserem neuen Dienstleister sehr intensiv und akribisch daran, den Fans und allen Basketball-Interessierten eine tolle Website mit vielen, auch statistischen Informationen, rechtzeitig vor Saisonbeginn zur Verfügung zu stellen.“

Zählbares? Letzteres ist für uns Fans im Internet sicherlich ein Silberstreif am Horizont. Und was Europa angeht, war es einen Versuch wert. Dass da gegenwärtig noch ganz viel Politik und Partikularinteressen im Spiel sind, weiß jeder, der die Debatte auf schönen-dunk verfolgt. 

Geschichten von Bärten…

Seit dem 05. Dezember habe ich nicht gebloggt. Gelegenheiten hätte es viele gegeben. ALBA zog ins Viertelfinale des Eurocups ein, ALBA wurde Pokalsieger. Viele Heimspiele habe ich wenigstens zur Hälfte gesehen, das Nachspiel mit “Block C” in einer Kneipe der Schmelinghalle war meist länger als das, was ich sah. Aber das interessiert euch nicht. Die Geschichte hat einen Bart…

Doch jetzt sitzen wir alle wieder hier. Irgendjemand brüllt, als gerade das Stadion in Brasilien eingeblendet wird: “Schaut mal, alles ALBA-Fans”. Die Runde ist größer geworden und als ich mich heute, wie oft ab der zweiten Halbzeit, in der Halle umschaute, sah ich mehr bekannte Gesichter in unserer Meckerecke als sonst. Nicht, weil es hip wäre zu ALBA zu gehen, sondern weil Leidenschaft ansteckt. Irgend etwas ist in dieser Saison passiert, es ist nicht so sophisticated wie unter Pavicevic, nicht der Popcornbasketball von Katzurin oder die harmlose Betulichkeit unter Herbert. ALBA ist wieder da. Ein Ludwigsburger schrieb auf Court-Review gerade, warum wir die Bayern nicht mögen, und richtig merkte jemand auf Facebook an, dass ALBA ja selbst mal in der Rolle des Krösus war. Wir sind es nicht mehr. Und das ist gut so. ALBA in dieser Saison ist ehrlicher Basketball, tendenziell härter als erlaubt, mit der Leidenschaft des Herausforderers und ohne die unerträgliche Sattheit und Arroganz der Mannschaften in der Ära, als wir auf Wildcards für Europa hofften.

Der Neuaufbau im Sommer tat gut. ALBA füllt zwar heute nicht die Hallen mit Eventfans, aber die, die da sind, die brennen für ihr Team. Endlich wieder spüren wir das Kribbeln im Nacken, wenn Tausende von Kehlen den Moritz beschimpfen, Robins NBA-Aspirationen verhöhnen und den Heiko auspfeifen. Als ich heute erst nach der Halbzeit in die Halle kam, stand sie. Vielleicht knüpfe ich heute an das Spiel im Dezember hier ums Eck an. Es war laut, wir sind heiser und es war klar, dass die Mannschaft keinen Deut weniger kämpfte als die Tribüne. Sven jubelte, Jan ackerte, Reggie scorte und Akeem ärgerte den Gegner.

Bayern ist ein verdammt gutes Team. Delaney ist mehr als eine Nummer besser als die Stars dieser Liga. Bryce Taylor hat sich unter Pesic zu einem richtig guten Spieler gemausert. Das hat Spaß gemacht, ihn heute zu sehen. Über die anderen Ex-Berliner sollte ich den Mantel des Schweigens hüllen. Nur so viel: Heiko hat das zu hören bekommen, was er sich erarbeitet hat. Luccas fünftes Foul zeigte, warum Luka ihn auf die Bank gesetzt hat, und Dijon Deon hatte seine Minute gegen Sven und war sonst nicht präsent.

Anders die Berliner. Heute war es fast das perfekte Spiel. Immer gab es die richtige Antwort. Der Dreier fiel. Ging ein Ball verloren, holte man ihn sich zurück. Die Fähigkeit dieses Teams, ein Comeback zu schaffen, in eigener Halle zu kämpfen, sie zu verteidigen, ist ausgeprägt wie lange nicht mehr. Nicht nur in der Serie von 17 Spielen hat ALBA gezeigt, dass es diese Saison nicht leicht ist, in Berlin zu gewinnen. Wir sind – formal – der Underdog, das neu zusammengestellte Team über das halb SD schön den Kopf schüttelte. Aber Sasa und Mithat hatten das richtige Händchen. Irgendwie passt es. Wenn Jan Jagla dem Kurier sagt: Wir sind ein gigantisches Team (http://www.berliner-kurier.de/alba/alba-wahnsinn-jagla–wir-sind-ein-gigantisches-team,7168904,27348132.html), dann ist da viel Wahres dran. Wie haben viele über Jan geschimpft, als er kam. Jetzt feiern wir ihn, der kämpft und heute Schwiegerpapa gezeigt hat, dass hier nichts zu holen ist. Und welche Zweifel kamen, als ausgerechnet aus Tübingen ein Starter kam. Wohl niemand will Reggie gehen lassen, der auch in aussichtslosesten Situationen Verantwortung übernimmt, uns mit seinen drei Freiwürfen gegen Quakenbrück gefühlt ins Halbfinale brachte und heute beim Dreier nur den Griff zum Hochziehen der Hose vermissen ließ. Unser Pianist auf der Centerposition ist in den Playoffs aufgewacht und sein Crescendo in den Playoffs ist beeindruckend (ok, auch wir haben einen Musiker in dieser Runde), der Dunk von links der Moment wo wir fast kollektiv das Spiel als gewonnen erkannten. Und es ist einfach schön, dass Leon wieder fit ist. Sein Check gegen Heiko heute war das erste emotionale Highlight der zweiten Halbzeit. Der Hallensprecher hat am Ende so Recht, der heutige Spieler des Tages: Unser Team!

Sicherlich war das heute nicht mehr als ein Sieg. Natürlich ist die Serie nicht gewonnen. Aber wir haben Mittwoch noch ein Heimspiel in Berlin. Es ist nicht vorbei. Wir können wieder laut sein. Und mit Verlaub, wann ist das letzte Mal eine Mannschaft ohne Bärte Meister geworden? ALBA trägt sie, ALBA lebt den Traum der Serie. Wir werden kämpfen, wir werden laut sein und unsere Mannschaft wird kämpfen bis der Bart ab ist, so oder so.

Mit Leib und Seele in der Boxarena

Donnerstag war es endlich so weit. ALBA war zurück in der Schmelinghalle. Xaver war draußen laut, die Fans drinnen. Dank des doofen Windes bayerischen Namens (ein Schelm…) hätte ich es fast nicht zum Spiel geschafft. Doch ein Kranich war so mutig und flog mich mitten durch den schönsten Sturm noch zur zweiten Halbzeit. Von den Farben würden diese Vögel des Glücks übrigens auch hervorragend zu unseren Trikots passen. 

Was die zweite Halbzeit dann brachte, war ein emotionaler Ausflug in die Vergangenheit. Dicht, eng, laut und so verdammt nah dran war es in Block C. Fünfeinhalb Jahre nach dem Umzug in die o2world kam die Erinnerung auf, wie es damals war, als mich die Begeisterung in Berlin packte. Als ich nach Jahren der Tribünenabstinenz erkannte, dass für mich Fan aus der Provinz mit Schulturnhallen auch dieser große blöde Bonzenclub doch eine Heimat bieten kann. Natürlich ist es anders als in der Turnhalle, aber die Attitüde passte. Es war laut und noch immer Basketball und kein Kunstprodukt, nur die bunte Tüte, die ich mir als Dreikäsehoch in der Pause holte, war irgendwo auf dem Weg dem Bier gewichen. Spätestens mit dem Einzug in Block C waren wir dann auch angekommen. Aber: Ich bin kein Fan, der die großen Erfolge ALBAs erlebt hat. Ich kam, als Muli schon gefeuert war und sah wie ALBA gegen Bonn gewann, später wie Penberthy gegen Bonn Freiwürfe vergeigte und ein Jahr später, wie ALBA 0:3 gegen die Drachen rausflog. Die einzige Meisterschaft, die ALBA in meiner Schmelinghallenzeit gewann, die wurde in Bonn erspielt.   

Ich weiß nicht, ob jemand, der aus der Provinz kommt, heute mit der o2world warm wird. Natürlich, die Schulturnhallen gibt es auch  nicht mehr, aber dennoch ist der Enternainmenttempel etwas anders. Es ist – dio beschrieb dies treffend – ein Glück, dass Olympia scheiterte und die fast perfekte Basketballarena gebaut wurde, vielleicht gerade weil sie als Boxarena für Blick auf den rechten und den linken Haken, den Infight, die Schilder des Nummernmädchens und den Referee gebaut wurde. Es ist die unmittelbare Nähe zum Geschehen, es sind die kurzen Wege und die Offenheit. Kein Schließer, der meckert, kein Graben und Gitter, das dich vom Geschehen trennt, und alles mitten in einem Kiez, in dem man nach dem Spiel verweilen kann. Natürlich ist das bei aller Wahrheit ein romantisierendes Bild. Donnerstag hat es gezeigt: Zusatztribünen sind komisch, Anzeigetafeln kann man da kaum lesen, Video gibt’s auch kaum und das Bier schmeckt auch nur in der Erinnerung  besser.

Sportlich war die zweite Halbzeit gegen Rom objektiv betrachtet nicht die ganz große Offenbarung. Zu sehr ließen sich die Albatrosse den zunächst mal erspielten Vorsprung aus der Hand nehmen. Rom zerfahren und auch Berlin bei allen guten Aktionen irgendwie – nicht zum ersten Mal in der Saison – wackelig. Dazu die Aufregung über die Schiris in so einer kleinen Hallen natürlich emotionaler. Schreitherapie nenne ich ja zuweilen das Fandaseien… Und die Römer trafen schließlich auch die wilden Dinger, Baron schien nicht anders als durch Foul zu stoppen. Auch Hosley machten unsere gellenden Pfiffe nichts aus. Doch irgendwie zauberten die Albatrosse das hervor, was sie diese Saison so besonders macht oder besser: machen kann. Sie packten das Spiel, sie verteidigten in den richtigen Momenten und machten die wichtigen Punkte. Genau so macht ALBA Spaß. Redding, Logan und Radosevic besiegelten den Sieg. 

Mir ist nicht egal, dass ALBA nach der Niederlage gegen Bamberg am Sonntag an den Playoffrängen lediglich kratzt, aber es macht diese Saison Spaß und ist ein Team für das ich gerne laut bin, weil es meist kämpft, kratzt und beißt. Am Donnerstag war dies offenkundig das kollektive Gefühl, der Sieg erhofft, aber nicht erwartet, nicht klar, aber klar erkämpft und daher umso schöner. Jubel in der Schmelinghalle ist dann doch intensiver. Die Schmelinghalle tobte, mein Sitznachbar kanalisierte alle Energie in seine Arme und hob mich jubelnd hoch. Nur meine eine Rippe, die fand das gar nicht gut, knackste kurz und fühlt sich seitdem wenigstens geprellt. Nun hab ich sie wenigstens, meine ganz eigene Schmelinghallengeschichte. Sie kann ihre Herkunft als Boxarena halt doch nicht verleugnen…  Manchmal ist die Coolness der Sauerstoffwelt dann doch nicht ungesund und manchmal ist Leib und Seele dann mehr als nur ein Slogan. Doch vielleicht passt das Bild und hilft diese Saison nur eines: Zähne zusammenbeißen und weiterbrüllen, auch wenn die nächsten Wochen – wie schon an diesem Wochenende in Bamberg oder gegen Bremerhaven – möglicherweise schmerzhaft werden… 

You can’t buy heart

Den Bayern-Kader auf dem Papier zu sehen, das ist das eine, ihn auflaufen sehen, dann doch noch was anderes. Sieben ehemalige Albatrosse, dazu Euro-Star Delaney, Benzing, der vom Roten Stern rausgekaufter Savovic, ein Big John Bryant und Chevy Troutman. Das ist so verdammt tief, so verdammt variabel. Auf der Bank zwei ALBA-Headcoaches, die für 12 Jahre verantwortlich zeichneten. Doch das war heute kein Familientreffen ALBA rot gegen ALBA gelb. Das war der Besuch des neuen Lieblingsgegners. Spielt ihr nicht bei uns, seid ihr nicht willkommen, pfiff es aus rund 14000 Kehlen. Schöne Choreo des Fanblocks, die frischen Ex-Berliner auszupfeiffen und dann dem Bryce – der ja länger weg ist – tosenden Applaus zu schenken.

Mächtig breit die Brust der Bayern diese Saison. Zählbar die Erfolge in den ersten Spielen in der Liga und Europa. Noch heute lästerte der Münchener Häuptling im Tagesspiegel über angeblich schlechtes Berliner Betriebsklima. Schön, Uli, du konntest deine Manage kaufen lassen, wen sie wollten. Und was hat es dir heute gebracht? Wieder musstest du in einer von dir so wenig attraktiv empfundenen Halle sitzen und erleben, wie die wirtschaftlich längst übertrumpften Berliner, deine Jungs rupften. Zwanzig Punkte. Lass dir mal von erfahrenen Bayern-Spielern erklären, was das bedeutet. Interessant, was so – dank der Berliner Zeitung – vor dem Spiel an altem Dreck rauskam.

Hoeneß und andere hatten eine grundlegende Abneigung gegen Basketball. Die ist über Nacht in eine Begeisterung umgeschlagen, von der es jetzt heißt, sie halte seit zwanzig Jahren an. Aber das ist glatt gelogen.

Let's get ready... beat Bayern! Danke fürs Foto an: Onno WulfBegeisterung für Basketball seit mehr als zwanzig Jahren, das gibt es hier in Berlin. Hier schlägt das Herz Gelb-Blau. Und das hat heute den Unterschied gemacht. Denn am Ende hilft alles Geld nicht, wenn man gegen eine bis in die Haarspitzen motivierte Mannschaft auf deren Homecourt antreten muss. Zur Halbzeit hörte man es in der o2 world mehr krächzen denn reden. Jetzt dürften die meisten die Stimmbänder kühlen. Wir waren laut. Unsere Mannschaft lebte es vor, holte uns ab und Fans und Team schaukelten sich hoch und auch über das kritische dritte Viertel hinweg. Wann stand die o2 das letzte Mal vor der Halbzeit, wann das letzte Mal das ganze vierte Viertel?

Auch jene, die dem neuen Team kritisch gegenüberstehen, die Heiko & Co. nachtrauerten, schienen heute mit dem neuen Alba versöhnt. Jan ackert, Akeem rast, Alex rebounded und WoBo dunkt… Und unsere Guards, Logan, Hammonds, Stojanovski und Redding haben sich gefunden und setzen sich gegenseitig in Szene. Kendell und Slokar werfen ihren Körper in den Ring. Mir macht diese Mannschaft viel Spaß. Vielleicht sogar mehr, als die vom Beginn der letzten Saison, deren Relikte heute in Rot aufliefen. Da war zuvor schon was kaputt gegangen.

Für die neue Mannschaft könnte es heute ein Schlüsselspiel gewesen sein. Wir gewinnen ganz sicher nicht alles, aber wir haben uns selbst gezeigt, dass wir die, die das vorhaben, schlagen können. Kauf dir, was du willst, lieber Uli, but you can’t buy heart…

Ein Center vom Balkan

Stanojevic, Koturovic, Alibegovic. Drei Namen mit zusammen einer ganzen Menge Titel für ALBA. Dem Jüngsten dieser Trias und dem bis zum Auftreten des Big John dominantesten Center der Beko BBL riss am Ende das Kreuzband und dann die Geduld, so dass schließlich ein anderer, Goran Nikolic, mit dem letzten bisschen was er noch in den Knien hatte, erst den Marathonmann geben musste und dann den Titel holen durfte.

Nun also deutet sich, trauen wir den üblich gut informierten Quellen auf schoenen-dunk, an, dass ALBA wieder einen Center vom Balkan holen wird. Leon Radosevic ist ein beweglicher kroatischer Innenspieler. Und als 1990 geborener recht jung, aber bereits mit drei Jahren Euroleague in den Beinen. Ein verletzter Fuß verhinderte nach einer starken Saison bei Cibona 2011 den Draft als early entry. Auch wenn Draftexpress ihn 2012 als Top International Prospekt des Jahrganges 1990 sah, reichte es nicht.

Die Rolle, die er zuletzt in Mailand ausübte, war kleiner. Ein Wechsel nach Berlin dürfte für ihn eine Chance auf größere Spielanteile und eine tragendere Rolle bieten. NIhad Djedovic konnte diese Chance letztes Jahr im Ergebnis nicht nutzen. Zu wenig Konstanz zeigte er bei allem Talent. Ich bin gespannt, wer stabiler auftritt: WoBo oder Radosevic. Es ist der gleiche Jahrgang.

Nur welche Rolle soll Radosevic spielen? Das Bild wird vermutlich erst klar, wenn wir den vollständigen Kader sehen. Kommt noch ein echter Center? Kommt ein Stretch-Four? Kommt Jan Jagla oder bleibt Sven Schultze? Es sind viele Varianten denkbar. In welcher Rolle seht ihr ihn? Jovo oder Goran?

Schauen wir doch erst einmal, was Radosevic so kann und wie er spielt. Ein Vergleich drängt sich bei den Stats, die ohne jeden 3er sind, auf. Auch Thompson war spielerisch kein “moderner” Vierer, sondern ein eher agiler Center. Aber über was konnte man sich bei Thompson, der – so schreiben jedenfalls alle – zu den Bayern gehen soll, wunderbar aufregen? Genau! Halbherziges Blöcke setzen. Von Radosevic gibt es auf youtube eine Skurillität:

Ich finde den Vergleich zu Thompson nicht abwegig. Ich denke wir sehen hier den Nachfolger auf der Position von Thompson, d.h. ein Spieler, der konzeptionell sowohl eine agile Fünf spielen kann als auch eine Vier ohne 3er.

Ich habe sehr sehr lange keinen Center bei ALBA mehr gesehen, der den Fastbreak so läuft wie Radosevic. Wir hatten ja mit Miro, Cemal und Ali ein paar valide Wühlbüffel. Aber wann hatten wir zuletzt einen so beweglichen Center? Der junge Ford? Nikolic im Jungbrunnen? Mir blieb etwa bei Sekunde 39 kurz der Atem weg.

Und wer auf Defense steht, der kann sich hier (Nr. 5 in Weiß/Rot) am Duell mit Dejan Musli (15 blau) bei der U20 WM 2010 ein etwas veraltetes Bild machen. Vielleicht ganz passend, weil Musli ihm körperlich um Längen überlegen ist. Aber die Cleverness, die Beweglichkeit und das Aushelfen auf den kleinen Positionen sind schon ausgeprägt.

Falls man WoBo in der Miralles-Rolle sieht, fehlt eigentlich ein Centerersatz für Idbihi und ein weiterer 4er, den wir letzte Saison jedoch auch nicht hatten. Bekanntlich hat Peavy nie gespielt… und nach dem Randle-Intermezzo kam mit Traore ein echter Center. Warum nicht wieder so?

Der letzte Center vom Balkan, den wir in Berlin hatten, Miro Raduljica, hat übrigens vor kurzem in der NBA unterschrieben. Vielleicht beginnt ja auch für Radosevic mit dem Wechsel nach Berlin ein neuer Anlauf. Das Spektakuläre bringt er mit.

Eine ganze Hand voll Europa

Es ist fast Ende Februar und wir können bereits jetzt sagen, dass eine ganze Hand voll Teams der Beko BBL noch im März europäisch spielen werden. Neben Bamberg und Berlin, die sich im Top16 der Königsklasse zwar mehr schlecht als recht mühen und dennoch zur Rückrunde noch einmal mit Massey und Walsh bzw. Traoré nachgelegt haben, sind es drei weitere Teams, denen heute zu gratulieren ist. Weiterlesen

National vs. International – Eine Zwischenbilanz zur Spielzeit

Erinnert ihr euch noch an die Saison 2008/09? Damals, kurz vor der EM in Polen, betrug der Spielanteil deutscher Spieler in der Beko BBL 16,1 %. Im August 2009 traf Jan Pommer dann die Fan-Community schoenen-dunk.de und machte eine damals große Ansage: 30 % der Spielzeit sollte in der Saison 2012/13 von deutschen Spielern gespielt werden (Hier mein damaliger Bericht und die Langfassung mit pucki auf schoenen-dunk). Ein solcher Anteil diene der Identifikation, der Entwicklung von Talenten, der Vermarktbarkeit der Liga. Aber die Methode war offen. Denn die Debatte um die Quote mitten am Kochen. Doch auch nach der Quotenentscheidung im Oktober 2009 blieb dieses Ziel, der Erfolg der Quote sollte hieran gemessen werden. Die Quote ist da und die Saison 2012/13 ist nun fast zur Hälfte vorbei, Zeit pünktlich zum Allstarday 2013 eine erste Bilanz zu ziehen. Ist es erreicht?

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Abstiegsregelungen und ihre Geschichte

Ein Aufschrei geht um in der Liga. Der Aufschrei, dass im Falle eines Gießener Rückzuges der sechzehnte und der siebzehnte absteigen (hier die Braunschweiger Zeitung und länger die Frankfurter Rundschau bzw. dpa via sueddeutsche).

Bei mir löst dies nur Kopfschütteln aus. Denn der Wortlaut der Ausschreibung ist für den Wettbewerb 2012/13 ist ergreifend klar und lässt keinen Zweifel: Die beiden Clubs, die nach der Abschlusstabelle auf den letzten Plätzen stehen, steigen ab (Ziffer 5.3 der Ausschreibung). Die Abschlusstabelle wird ohne die Clubs gebildet, die zuvor auf das Teilnahmerecht verzichtet haben, denn diese werden – wörtlich – nicht mehr in der Tabelle geführt (§ 16 Abs. 2 der Spielordnung). Platt formuliert: Wenn drei Clubs zurückziehen würden, dann würde der 14. und 15. sportlich absteigen.

Niemand will es heute gewesen sein, der nach bzw. im Sommer 2009 die Regelungen in dieser Form präzisierte. Denn die Situation ist nicht neu, erschreckend ist nur, wie kurz das Gedächtnis der Manager, der Wolfgang Heyders und Oliver Brauns ist, die schon damals an den grünen Tischen saßen. Denn es begab sich im Jahre 2009, Weiterlesen

Adventssingen in Gießen

Neun Jahre ohne Niederlage in Gießen. Der Traditionsclubs aus Mittelhessen, dessen Fans diese Saison damit hadern, doch (noch) nicht abgestiegen zu sein, empfängt die Albatrosse. Da wir traditionell etwas über haben für biertriefende Traditionspflege, hier ein weihnachtlicher O-Ton von deissler aus Gießen:

Es hallt in Gießen, Funken sprühen:
Heissa! Welch Fanfarenstoß!
Freude schäumt aus allen Kübeln
Bald schon kommt der Albatross.

Sternenmärsche, Kindersingen,
ein jeder läuft zur Halle los.
Malzgefüllte Gläser klingen:
Endlich kommt der Albatross.

Provinzielles Bauerntreiben
versus alten Gernegroß.
Und wer kann es uns verleiden:
Bitte grillt den Albatross.

Lieber deissler, auszuschließen ist das wahrlich nicht. Die Albatrosse sind malade. Wenn man der Presse glaubt, dann fehlt der halbe Kader. Vielleicht, ja ganz vielleicht, gelingt in eurer nun doch voraussichtlich letzten Erstligasaison ja noch ein Sieg gegen Berlin.

Pesic kommt: Gegenrede, oder: Ich kann nicht soviel Wurst fressen….

Lieber Peter, du hast den Bayern in diesem Blog gestern angesichts der Verpflichtung von Svetislav Pesic viel Glück gewünscht und uns Lesern erklärt, warum diese Verpflichtung im Großen und im Ganzen gut ist. Heute meine Gegenrede.

Deinen analytischen Verstand muss und möchte ich nicht in Zweifel ziehen. Des passt scho’. Pesic ist ein Großer, wenn nicht gar die Heilsgestalt des deutschen Basketballs in Europa. Der große Blonde ist ja (noch?) anderswo. Natürlich tut es der Liga gut, dass er zurück ist. Schließlich wäre der deutsche Basketball ohne ihn – wie der Leser Breizh meint – auf dem Niveau des Holländischen.

Natürlich ist Pesic eine ganz andere Liga als der blasse Grieche an der Seitenlinie der Sedlmayrhalle. Und verdammt noch mal, wer, wenn nicht der, der in München in der Olympiahalle das deutsche EM-Gold holen konnte, soll die vermaledeiten Bayern exakt 20 Jahre später an (fast) gleicher Stelle – auch wenn’s jetzt  nach dem Sponsor mit vier Ringen heißt – zum Erfolg bringen. Welch eine Geschichte, perfekt choreografiert und danach wiederholen die Bayern auch noch das mit der EM… Weiterlesen