Gastbeitrag: In der Durchreiche…

Weihnachtszeit – Zeit für Rückblicke. Als nach zwei großartigen Jahren die Euro-Veilchen vor 10 Tagen sang und klanglos in der Euro-Vorrunde ausschieden, bat ich Hardyn um einen Gastbeitrag zur Lage der Göttinger.

Es ist nicht lange her, dass ALBA gegen Göttingen verlor. Kaum 18 Monate, dass die Göttinger einen europäischen Titel erlangten. Die Veilchen waren einige Jahre leuchtendes Beispiel dafür, wie mit wenig Geld und tollen Fans viel möglich ist. Nun zeigen sie, wie schnell man in der BBL in der Durchreiche ankommen kann… Hardyn schreibt einen Gastbeitrag über das Fanleiden auf dem Weg vom Eurochallenge-Sieger zum Abstiegsfavoriten. Weiterlesen

ALBA vs. Trier – Die Crux mit dem Talent

Heute geht es für ALBA gegen Trier, Zentrale gegen Filiale titelt der Trierische Volksfreund. Ja, das Bild ist bekannt: ALBAs Nachwuchshoffnungen der letzten vier, fünf Jahre spielen fast geschlossen an der Mosel unter Henrik. Doch wird an dem Duell eben auch deutlich, warum sie dort und nicht bei ALBA spielen. Oder ist dies nur eine Momentaufnahme?

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Das erste Mal: ALBA Berlin vs. Bayern München

Mit etwas mehr als einem Jahr Vorlaufzeit kommt es heute um 20:05 auf Sport1 zum Spiel der „einzigen Marke im Deutschen Basketball neben Dirk Nowitzki“ gegen die wohl größte deutsche Sportmarke. ALBA Berlin muss in der Sedlmayer-Halle gegen die Bayern ran.

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Europa: 50 Punkte eines NBA-Stars und wo Jovo noch auf Ense trifft

Vor rund zwei Monaten warfen wir einen ersten Blick auf die deutschen Mannschaften in Europa. Nun laufen die Vorrunden der europäischen Wettbewerbe und das Bild ist gemischt. Acht deutsche Mannschaften treten in Europa an und es ist wahrlich nicht alles schlecht.

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Bauernomelette statt Nachtisch

Um eingeschlafene Blogger hervorzuholen braucht es manchmal mehr als nur ein Spiel. Oldschoolballer hatte ihr Bloggererwachen in Bamberg, als die Brösels den Gesamtathener Sportverein schlugen. Wahrlich überzeugend. Heute dann Spiel 2 der fränkischen Bayern. Ligaalltag gegen ALBA Berlin, also eine der Mannschaften, die in unvergleichlicher „mir san mir“-Manier für zu schwach befunden wurden und bei der auch OSB zweifelte, ob es denn zum Trainingspartner reichen würde. Ja, liebe OSB. Es hat gereicht.

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Pan(n)a cotta als Vorspeise, Berliner als Hauptgang?

Üüüüberraschung!!! Totgesagte leben länger…

Nein, das sind jetzt keine selbstreferentiellen Wiederauferstehungslobhuldigungen der abgetauchten Bloggercrew, sondern nur der schriftlich gezogene virtuelle Hut gegenüber den Brose Baskets aus Bamberg. Allerdings bedurfte es tatsächlich eines – die Basketballwelt durchrüttelnden – Anlasses, um mich hinter dem sportlichen Kachelofen hervorzulocken.

Broses Herzkurve auf dem EL-Monitor hatte bis gestern Abend 20:45 Uhr de facto nur noch einige rudimentäre Restzuckungen in Bezug auf das Erreichen der nächsten Runde. Bamberg stand nämlich nach 4 Wochen Euroleague nur mit einem mächtig matten 1-3 in Gruppe B da. Nach dem hohen Auftaktsieg in der heimischen Stechert-Arena gegen KK Zagreb folgten nicht nur die erwartete, einkalkulierte Schlappe bei CSKA Moskau (dem 2. Überteam der Brosegruppe) sondern auch eine – ebenso vermeidbare, wie unbröselig blutleere – Heimniederlage gegen Malaga sowie gar noch eine auch in der Höhe dumme Auswärtsniederlage in Kaunas.

Keine guten Voraussetzungen also für den einzigen deutschen Vertreter in der 24er-Euroleague, der faktisch zur Zeit besten Liga der Welt, ausgerechnet gegen Panathinaikos Athen, den 6fachen Euroleaguesieger und Titelverteidiger. Sicher nicht wenige unter den Zuschauern hatten im Vorfeld ihre Karte wegen PAO geordet – einmal nur ein Äuglein auf das grüne Legendenteam mit seinen Stars werfen. Denn wann bekommt man so etwas schon live zu sehen, quasi direkt vor der Haustür? An einen Sieg des eigenen Teams aber glaubte so richtig wohl kein Bamberger Fan, auch wenn es einige im Vorfeld trotzig bis fatalistisch einfach mal prognostizierten. Realistisch war das nicht gegen Spitzenleute wie Maric, Diamantidis, Calathes oder Sato.

Doch irgendwie lief schon seit Mittwoch alles klammheimlich für die Bamberger, man hätte es also ahnen können. Erst besiegt das sieglose Zagreb völlig überraschend Kaunas und bringt so die Brose Baskets schon einen großen Schritt heran, an den so herbeigesehnten Platz 4 in der Gruppe, dann wird dieses Heimspiel der Bamberger auch noch als Spiel der Woche in der EL auserkoren und somit in mehr als 150 Staaten live oder leicht zeitversetzt ausgestrahlt.

Aktuelle Aufnahmen aus dem typischen November im Fränkischen sind dies wohl kaum, aber das Video zeigt einmal mit anderen Augen das in Deutschland geliebhaßte Basketballstädtchen. Und so schaut der BBL-unverstellte Blick an die Regnitz also in der großen weiten Welt aus:

Die Halle ausverkauft – natürlich. Die Freakfans zeigten wie immer Devotion und Devotionalien und die Stimmung war erst begeistert, dann grandios. 200 Grüne aus Athen und in Deutschland lebende Griechen hielten anfangs noch dagegen. Die berühmte Gruppierung „Gate13″ war (ebenfalls natürlich), samt magischem Garten im Sangesrepertoire, angereist. Und auch natürlich gab es auch – ganz heißblütig wie es sich gehört – manche Mittelfinger der Gäste, freigelegte (Bier)alabasterkörper und deftige Schmähgesänge. Das muss einfach so sein ;-) und gehört dazu – ebenso wie die Heimfans, die sich furchtbar darüber aufregen.

Aber etwas war anders, die Brosespieler blühten geradezu auf unter der EL-Sonne. Nach dem Motto: Keine Angst vor großen Namen, wir haben nichts zu verlieren“, legten sie los wie die Feuerwehr und blieben in der 1. Hälfte immer auch dran, wenn „Pana“ sich etwas absetzte. Am deutlichsten wurde dieses „No Fear“ gleich zu Beginn bei Tibor Pleiß, der zwar immer noch schlaksig in seinen Bewegungen aussieht, was aber völlig egal ist, wenn er so mit Mut vorne aufpostet und hinten verteidigt, wie er das gestern tat. Aller Ehren wert.

Suput hatte mächtig Spaß und schnell seinen Rhythmus gefunden – bei ihm immer eine tödliche Kombination für den Gegner. Gavel ackerte wie ein Pferd in der Defense, mittlerweile ein erwarteter Normalzustand bei „Tono“ – es gehört aber einfach gesondert erwähnt, weil es keineswegs normal ist über diese enorme Anzahl Minuten pro Spiel seinen Gegner auf dem Niveau zur Weißglut zu treiben und noch gleichzeitig vorne den schwierigen Aufbaujob in der Abwesenheit von Goldsberry zu erledigen. Gavel ist für Brose Gold(i) wert. Allererste Obersahne sein Alley-ooop-Pass zu Beginn der 2. Halbzeit auf den bis dahin blassen Marcus Slaughter, der im Anschluß geradezu zu explodieren schien. Überhaupt erfüllte jeder Spieler seine Rolle nahezu perfekt für Bamberg. Jeder trug etwas in der Offense bei, aber keiner überdrehte (Tucker!) und in der Defense wurde als Team sensationell gefightet. Die Fans sahen es begeistert, warteten aber insgesamt noch deutlich auf ein Aufdrehen des Champions oder auf ein Einbrechen der eigenen Mannschaft – oder im worst case auf eine Kombination aus beidem. Erst spät dämmerte der Großhirnrinde, dass dieses Ding tatsächlich gewonnen werden kann. Und dann liefs einfach nur noch für die Brösels. Es flutschte. Wieder Suput, Gavel mit 3er, Jacobsen zum Korb, Tucker mit Defense und zum Schluß noch ein erleichtert lächelnder Julius Jenkins, der zwar einen leichten Linkskorbleger vergab, dafür aber 2 schwierige Schüße und die letzten beiden Freiwürfe traf (Spielbericht und Scouting). Die Spannung war in den letzten Minuten kaum zu überbieten, es gab teilweise blankes Chaos auf dem Feld, aber dieses eine Mal fiel eben alles in Richtung der Bamberger, wo es zuvor (zB auch letztes Jahr) mit geradezu unheimlicher Konstanz in der Euroleague gegen sie lief. Der letzte missglückte Pass zum Dreierwurfversuch des griechischen Meisters ging im Siegestaumel und Geschrei der Stechert-Arena unter, ebenso wie die Schlusssirene. Brose siegt sensationell mit 79:76 (37:40) gegen PAO.

Der Rest war unbändiger, ungläubiger Jubel – der übermächtige Gegner, der EL-Champ, Panathinaikos tatsächlich besiegt. Freakige Party in der Halle. Die selbsterklärten „Bauern“ haben doch tatsächlich den griechischen „Horto Magiko“ niedergetrampelt. Gibts denn so was? Glückliche Gesichter und viele getauschte Fanschals mit den Griechen, Kopfschütteln, Umarmen und Grinsen. Viel wichtiger aber noch als dieser beinah historisch zu nennende Sieg ist die Tatsache, dass Bamberg nun bei „Halbzeit“ in der EL doch mit immerhin 2-3 Siegen dasteht und ein Weiterkommen, ein Einzug endlich, endlich in die Top16, immer noch möglich ist. Hier die Highlights des Spiels:

Und noch ein Video mit KurzOT von Gavel hier.

Nach dem Siegesdelirium gestern gehts nun ganz schnell ab für Bamberg in die Niederungen der BBL, dorthin in den Sporthades, wo die Gegner manchmal so schlecht sind, dass es gar als Training nicht taugt, das Ligaspiel. Am Sonntag könnte das anders sein. ALBA Berlin erwartet zum Hauptstadtknüller den Lieblingsfeind und Deutschen Meister Brose Bamberg. Was für ein Timing. Bis zum unsäglichen 51-Punktespiel war dieses Duell mal „die Mutter aller Spiele“ in der BBL und konnte die ganze Nacht LKWs auf DSF ziehen. Reicht es jetzt aber nach dem Totalumbruch noch für ALBA um von Bamberg wenigstens den Stempel „würdiger Trainingspartner“ aufgedrückt zu bekommen? Schließlich mussten sich die Berliner in Giessen von den Fans noch „In Europa kennt euch keine Sau“ anhören. Oder ist gar Bamberg noch zu geflasht vom Euroleaguesieg und unterschätzt ALBA? Stories ohne Ende werfen ihre Schatten voraus: Der ehemalige Vorzeigealbaner kommt mit seinem neuen Klub – Julis Jenkins ausgerechnet in Bamberg. Heiko trifft seinen alten Kumpel aus Gießentagen Anton Gavel. Da wird erst umarmt, hinterher wieder, aber zwischendrin fliegen die Fetzen, das es nicht mehr feierlich ist. So wie es sein sollte. Genug Zoff gibts auch immer zwischen Waldorf und Statler…ähhhh Baldi und Heyder, um massig interessantes Material im Vorfeld zu generieren.

Mal schauen, ob sich mit demselben Trick auch der Bloggerchef von diesem Match anziehen bzw. von der Mutti mit `m Laster hinterm Schreibtisch vorziehen lässt. Meist ist es ja wie bei den Clubmanagern in Berlin und Bamberg: bißchen kalkuliertes Dissen meinerseits funktioniert immer und die Contenance reicht nie und nimmer dies zu ignorieren. Wetten?!?

*wenn einer fragt: Ich bin Statler in der Loge der Gruebelei.

Blogauskas #10 – Know it´s key (and know when it’s not)

Know its key

Know its key

Es gibt hier überall im Land offizielle Werbeplakate für die Eurobasket 2011, auf denen die Aussprache der Starspieler erklärt wird. Für Deutschland ist Nowitzki abgebildet mit der Aussprachehilfe: „Know it´s key“. Gut, das Englisch ist ein wenig fragwürdig (Popovic = „Pope a witch“), aber gestern Nacht, als wir wieder einmal an dem Plakat vorbeiliefen, hatte es plötzlich seinen Sinn gefunden. Weiterlesen

Blogauskas #9 – Vilnius, Villarriba und Villabajo

Cheerleader im Anmarsch

Cheerleader im Anmarsch

Vilnius empfing uns mit kaltem Dauerregen, Megastau und einer Strasse, von der man weder links noch rechts abbiegen konnte, bis man endlich ganz unten angekommen war – nicht nur bildlich gesprochen. Toll. Hier läuft also ein Weltrekord in gegenläufigen Einbahnstrassen – und wir sind mittendrin. Als alles ganz mies läuft und die plötzlich einsetzende Unterzuckerung droht einige jahrelange Freundschaften frühzeitig zu beenden, schlägt unerwartet das Glück zu und wir finden einen kostenlosen Parkplatz in der Altstadt in einem abgeschlossenen, eisentorgesicherten Hinterhof. Weniger schön ist es dann, alle Klamotten, Weiterlesen

Blogauskas #8 – Showdown in Vilnius

Vorrunde: Griff ins Klo

Vorrunde: Griff ins Klo

Heute nur ganz, ganz kurz was zum Spielen (bzw. zu den Spielen.), denn EM ist kein Spaß und direkt nach dem Aufstehen muss man eigentlich schon los in die Halle. Wir wohnen mitten in der tollen Altstadt – hoch oben in einem Appartment mit www, aber im 5. Stock und ohne Aufzug. Das ist einfach nur klasse, denn Vilnius macht Laune, vor allem als Basketballfan. Auf der Herfahrt haben wir noch die deutsche Mannschaft bedauert, die einsam und direkt an der Autobahn 20km außerhalb in einem Hotel im großen N-A-D-A wohnt. Den serbischen Trainer wirds freuen, man ist schnell an der Halle und die Spieler haben keine Ablenkung. Unser Nachteil hingegen ist, dass wir ewig brauchen werden, um zur Halle zu kommen. Und wir wollen vom deutschen Spiel auf jeden Fall auch das Aufwärmen sehen. Das heißt um 14 Uhr unserer/13 Uhr eurer Zeit an der Halle sein, denn das erste Spiel beginnt um 15:30 (14:30 in D). Mal schauen, ob und wie wirs schaffen. Auto fällt aus. Wir haben einen der seltenen Parkplätze mitten in der Altstadt gefunden – und das kostenlos. Unser Vehikel bewegt sich hier bis Kaunas keinen Millimeter weg. Weiterlesen

Blogauskas #6 – Wassertreten und Wehmut

Heute ist unser letzter Tag in Siauliai. Noch einmal ging es auf den Freiplatz am Wohnblock, noch einmal strahlend blauer Himmel tagsüber, tolles perfektes Wetter. Warm, fast heiß und ne leichte Brise. Zum letzten Mal sitzen wir neben unserer Eislauffläche in unserem Einkaufscentrum – man kennt uns schon. Die verrückten Deutschen, die auf nem Laptop rumhämmern. Jetzt zum letzten Mal Schlittschuhlaufen und dabei auf der Riesenleinwand die Spiele von gestern anschauen. Ein ganz besonderes Vergnügen. NOT.

Heute ist nicht alles so spassig. Einerseits die Wehmut unsere Waldhütte verlassen zu müssen, wir haben Siauliai richtig lieb gewonnen und verlassen die Stadt nur ungern, aber auch das wieder umziehen müssen und neu eingewöhnen schreckt uns. Andererseits die beiden Spiele gestern Abend in den Gruppen A und B, die die Euphorie mit einem großen Knall aus dem EM-Ballon entliessen. Während Deutschland schnell, kurz und knackig zurücklag und insgesamt kopflos und chaotisch wirkte, fiel unser Blick in einer frustinduzierten Pause auf die Bildschirme in den Umläufen und die entsetzten Gesichter der Litauer, die auf sie starrten. LIT – ESP 12:37. Oha! Die Gastgeber erhielten eine Klatsche vom Titelverteidiger und die Stimmung in der Stadt sank schlagartig auf arktische Temperaturen. Realistisch betrachtet hatten die Litauer mit ihren ganzen Verletzten von vornherein gar keine Chance, das interessiert Otto Normallitauer allerdings wenig. Zu sehr sehnt man sich den Titel im eigenen Land herbei. Deutschland hingegen ist vollständig angetreten, spielen was sie können tun sie aber irgendwie trotzdem nicht. Es ist mir von Anfang an zu hektisch, zu unstrukturiert. Zu viele Wechsel, zu viele Experimente. Es sieht aus, als wäre man noch in Bamberg beim Supercup in der Testphase. Erst mit zwei Pointguards gestartet, kurz darauf kein einer mehr auf dem Feld. Warum verstehe ich nicht, es würde aber auch nichts helfen, wenn ichs täte, denn das deutsche Spiel leidet einfach darunter. Die Spieler geradezu haltlos auf dem Parkett – fast wie wir auf der Eisfläche. Denn Serbien spielt keineswegs überirdisch. Sie machen nur, was sie können, geradlinig, schnörkellos. Alte jugoslawische Basketballschule und unspektakulär. Mit Ausnahme von Milos Teodosic, der mit einer mühelosen Leichtigkeit über das Parkett fliegt und einen Zauberpass nach dem anderen raushaut. Uns steht der Mund offen. Völlig ohne einen Tropfen Schweiß zu vergiessen hat er am Ende fast ein Triple Double in nur 28 min. aufgelegt (12, 9, 9). Schluck. Deutschland hingegen bekommt kein Bein auf den Boden. Nowitzki wird gut verteidigt und nimmt nur schwere Schüsse gegen den Mann, die nicht fallen. Dito die von Chris Kaman, der scheint, als habe er ein Wurfkreuz auf der Freiwurflinie markiert und sich selber Zoneneindringverbot erteilt. Gezwungen, planlos und nicht wirklich wach. So wirkte es zumindest von außen. Streckenweise sieht es sogar ohne die beiden NBA-Stars mehr nach Teamplay aus, als mit. Tribut an die viel zu kurze gemeinsame Trainingszeit? Am Ende kommt man noch einmal durch eine Energieleistung Nowitzkis einstellig heran, der kurz darauf stocksauer ist, denn seine Mitspieler ziehen vor allem in der Verteidigung nicht richtig mit. Deutschland ist eben nicht Dallas. Solche Momente sind es, die Spiele drehen, Spiele entscheiden. Dirk erwartet, dass alle von einer Sekunde auf die andere aggressiv sind, wenn sie die Chance wittern, in den höchsten Gang schalten und noch einmal alles in die Waagschale werfen. Dieser Killerinstinkt fehlt seinen Kollegen aber sichtlich, denn die starren größtenteils vorne nur auf ihn und hinten können sie die berühmte Schippe nicht drauflegen. Kurzes Anbrüllen mit Neu-Fraportskyliner Tim Ohlbrecht, ist normal, muss auch mal, ist aber sehr symptomatisch – es hätte auch jeder andere sein können, denn Dirk N. ist sichtlich enttäuscht. Er hat mehr erwartet – und wir auch. Nach Spielende wissen es die Spieler selbst am besten, dass sie mit ihren passiven Spiel ne Riesenchance versäumt haben. Nun wirds nämlich bitter. Die Zwischenrunde in Vilnius ist zwar schon vor dem abschließenden Spiel gleich gegen die supernetten Letten gesichert, aber man schlägt nun in der Landeshauptstadt als „Tabellenletzter“ auf. Mit null Punkten. Mumpfff. Und ob sich dies entscheidend ändert gegen die A-Gruppe mit Spanien, Litauen und wohl Polen ist völlig unklar.

Chance vertan, Schritt nach vorne vertan. Es ist wie kneippsches Wassertreten mit der deutschen Mannschaft. In Polen bei der letzten EM 2009 hatte man einen neuen Weg begonnen – radikaler Umbruch, neue Mannschaft, junge Spieler. Auch bei der WM in der Türkei letztes Jahr sah das gar nicht so schlecht aus – ohne die NBA-Spieler. Ganz bewußt hat man dieses Jahr wieder 2 Schritte zurück gemacht und Kaman und  Nowitzki wieder dazugeholt, um den heiligen Gral vom Olympiatraum erneut wahr werden zu lassen. Ich hab mir Ende 2010/Anfang 2011 viele verbale blaue Flecken geholt, denn ich war gegen diesen Schritt. Absichtlich übertrieben und provokant gefragt: Wenn wir jetzt in der Zwischenrunde ausscheiden und Olympia futsch ist – haben wir dann nicht auf dem Weg zur EM 2015 im eigenen Land 3 Jahre verloren?

Ich sehe die mediale Aufmerksamkeit, ich weiß ohne Nowitzki hätten sich höchstens 20% der jetzigen Zuschauer die EM angesehen, ich weiß dass es toll ist, ihn spielen zu sehen. Ich weiß, dass wir ohne ihn nie eine Chance auf Olympia gehabt hätten. Ich weiß nur nicht, ob das die Nationalmannschaft wirklich für die Zukunft nach vorne bringt.

Optimal wäre es, wenn die Spieler endlich halbwegs aufwachen würden. Sie schulden es sich vor allem selbst und auch Dirk Nowitzki. Gegen Italien war es eine Superleistung, besonders kämpferisch. Wieso man darauf nicht aufbauen konnte, sondern statt dessen gegen Frankreich und Serbien in ein Riesenloch fiel, weiß nur das Team und der Coach. Optimal wäre es, sie würden mich einfach Lügen strafen. Mir wärs recht – ich kann das aushalten ;-)

Zum letzten Mal durch den Wald, zum letzten Mal echte Seeadler, zum letzten Mal heute Nacht ein unfassbar toller Sternenhimmel in völliger Finsternis ohne jede Lichtverschmutzung. Etwas was es zu Hause gar nicht mehr gibt. Genau wie Wasser aus dem eigenen Brunnen, dass Haut, Haare und Schmutzwäsche ungeahnt (und völlig conditioner- und weichspülerfrei) zart zurücklässt. Eine Nacht noch unter Uhus und Wölfen. Noch eine Nacht mit direktem Blick nach oben, Jupiter, Polarstern, die Milchstraße, der Mars, und all der andere Süßkrams über uns. Und Vilnius vor uns.

Heute gegen Lettland gehts um nichts mehr. Und doch um alles. Die Mannschaft muß sich jetzt zusammenraufen, Nowitzki den Spass am Spiel wiederfinden. Und den hat er nur, wenn die anderen sich mit ihm auf Augenhöhe trauen.

Omma Margot sacht: Ei Kelle, da wurd ja soviel gewechselt, da kam ich ja gar ned mehr mit. Heut kanns nur besser wern und dann kommt Spanien.

osbaite grüßt gefrustet aus Siauliai und hofft auf ne Trotzreaktion.